.comment-link {margin-left:.6em;}
CANABBAIA
Samstag, 25. Februar 2006
 
Vor Benutzen – Krallen stutzen!
Ansonsten könnte es Ihnen passieren, dass Sie die in Bad Soden-Salmünster ("BSS"), dass sich auch "Spessart-Therme" nennt, mit lädierten Finger- und/oder Zehennägeln verlassen.

Hiermit setzte ich meine in loser Folge erscheinende Reihe "Thermen der Welt" (well, Deutschland gehört schließlich auch zur Welt ...) fort, welche ich in "REICH DURCH HALL?" mit einigen Bemerkungen zur Rupertus-Therme eingeleitet hatte.

Die Spessart-Therme wurde vor kurzem umgebaut; dabei ein größeres in zwei kleine Innenbecken aufgeteilt. Nun gibt es auch in BSS, wie in Bad Reichenhall, "viel Blubb für's Geld" (ganz so viel wie in der Rupertus-Therme allerdings denn doch nicht). Und im Außenbecken sogar - im Gegensatz zu Bad Reichenhall - ein Wellenbad – für 10 Minuten jede Stunde: wenig, aber leider so üblich.

Die Innenbecken hat man beim Umbau mit Unterwasser-Hindernissen gespickt: Trennmauern für kleine Whirlpools, Massagedüsenzellen mit Stangen: die kleinen Becken sind noch kleiner geworden. Das wäre nicht so schlimm, würde man die Hindernisse wenigstens sehen. Ästhetisch wäre das zwar vielleicht ein Verlust; vor allem würde deutlich, wie klein die verbleibende freie Fläche in den beiden Becken ist. Aber man käme wenigstens mit unbeschädigten Extremitäten wieder raus.


Eine andere Frage, die sich für mich nicht nur in diesem Bad stellt, sondern bei bisher allen Hallenbädern, die ich kenne: ist Deutschland Schmuddelland? Staubsaugerluft filtern wir fünffach; beim Unterwäschewechseln zeigen Marktstudien uns jedoch schon weit hinten in Europa.
Und in den Hallenbädern laufen wir barfuß im Straßenkot rum (der dann und wann mit Wischtüchern gleichmäßig über den Boden verteilt wird).
Muss das sein?
Eigentlich nicht. Man könnte die Besucher zwingen, ihre Schuhe und Strümpfe bereits am Eingang auszuziehen und dann barfuß durch ein flaches Wasserbecken (mit desinfizierenden Zusätzen) zu laufen. Macht man aber nicht. Fungi wollen schließlich auch leben. Deshalb: gib dem Fußpilz eine Chance!


Die Gemeinde Bad Soden-Salmünster liegt zwischen Spessart und Vogelsberg; der Hauptort Salmünster genau im Tal der (hessischen) Kinzig und der Ortsteil Bad Soden selbst liegt ausgerechnet an den Ausläufern des Vogelsbergs. Macht aber nichts, mit der "Spessart-Therme" hat man der Rentner-Schwimmhalle mit dem Bieder-Namen "Robert-Koch-Bad" in Bad Orb eine werbewirksame Bezeichnung, die dort (was die Geographie angeht, nicht freilich die Vorstellung, die man sich von einer "Therme" macht) auch passender gewesen wäre, vor der Nase weggeklaut.
Das hat Bad Orb davon, dass es die Konzessionsabgaben des Stromlieferanten jahrelang (oder gar jahrzehntelang?) in die "Bimmel" (eine mittlerweile stillgelegte Kleinbahnverbindung zwischen Bad Orb und Wächtersbach) versenkt hat, so dass für eine Modernisierung der Kureinrichtungen das Geld fehlte.


Nachtrag 10.05.2008:
Heute waren wir wieder dort. Nachdem ich mir den vorliegenden Blott im Zusammenhang mit meiner 'Rezension' eines Schwimmbadprojekts in Bad Reichenhall wieder durchgelesen habe, muss ich mir eingestehen, dass sie missverständlich sein könnte. Man könnte nämlich glauben, dass ich dieses Bad nicht mag. Nichts wäre verkehrter als das: ich schätze es sehr, nur leider tun das viele andere auch und es ist fast immer ziemlich voll (weshalb wir es nur selten aufsuchen). Heute, am Pfingstsamstag, war es Vormittags allerdings nicht ganz so voll wie sonst oft, und trotz des reparaturbedingt stillgelegten Wellenbades (wofür fairerweise der Eintritt um 1,- € ermäßigt wurde), habe ich den Besuch wieder genossen. Sehr maßvoll im Vergleich zu manchen anderen Badetempeln sind auch die Eintrittspreise und für Senioren ab 65 gibt es sogar Ermäßigung. Es gibt mir schon zu denken, dass wir wieder einmal automatisch als Senioren eingestuft wurden (wie neulich auch schon an der Kasse des Städel-Museums in Frankfurt a. M. und bereits im Vorjahr in Zwiesel).


Nachtrag 22.03.2009

Und hier mal zwei Innenaufnahmen der Spessart-Therme, Aufnahmedatum Samstag, 21.03.09 (Sonnenschein, ein herrlicher Tag!). (Hinter der Uhr wird ein Teil des Außenbeckens mit dem Wellbad sichtbar, mein Lieblingstummelplatz in diesem Thermalsolebad.)


















Anschließend (das vermerke ich hier für mich selbst im Sinne eines Tagebuches) haben wir wieder im Bad Orb beim "Mongolen" zu Mittag gegessen. Dann auf dem Radweg (erstmals) zurück nach Wächtersbach gelaufen.

Bad Orb wird in voraussichtlich einem Jahr wieder eine eigene Therme haben: Die "Toskana-Therme Bad Orb". Der Zusatz des Ortsnamens ist wichtig, denn es gibt schon zwei andere Toskana-Thermen, in Bad Sulza und in Bad Schandau. Hier expandiert also mal eine Gruppe aus Deutschlands Osten gen Westen, wobei allerdings das Betreiberehepaar (zumindest die Ehefrau Marion Schneider, die auch im Internet präsent ist und dort ein breites kulturelles Interessenspektrum von Poesie bis Erotik kultiviert, vor allem aber so etwas wie eine Unternehmerin mit Visionen ist - s. z. B. a. hier -) aus dem Westen kommt.
Also eine west-östliche Erfolgsgeschichte.

Ganz so preiswert wie die Spessart-Therme wird die Toskana-Therme allerdings kaum werden. Nicht nur der Name, sondern auch die Konzeption - mit "Liquid Sound", also offenbar einer Kombination aus Musik und Lichtinszenierungen - deutet auf ein höheres Preisniveau. Trotzdem: wir freuen uns schon auf die nächste Therme in unserem näheren Umfeld.
Ob die dann alle ausreichende Einnahmen haben werden, oder sich gegenseitig die Gäste wegnehmen, wird sich zeigen, ebenso, welchen Anreiseweg die Gäste auf sich zu nehmen bereit sind (von Frankfurt - ???).
Ich jedenfalls wünsche allen Thermentempeln schon aus reinem Egoismus einen rentablen Betrieb, denn nur so werden sie in Zeiten knapper öffentlicher Kassen auch in Zukunft Bestand haben können.
Erg. 03.05.10: Zur Toskana Therme vgl. jetzt meinen umfangreichen Bild-Blott "Toskana Therme in Bad Orb: Ein neues Juwel der Baukunst im Spessart".


Nachtrag 09.05.2010
Preiswert, gut und gut besucht ist in der Spessart-Therme in Bad Soden Salmünster auch die Cafeteria. Ein großer Salatteller, mit großenteils frischen Zutaten am Buffet selbst zu füllen, kostet z. B. 5,20 €.








Nachtrag 04.04.2010:
Die Reichweite der "Tägs" ist leider eng begrenzt; wer unten den Täg "Thermalbaeder" anklickt, bekommt lediglich die neuesten Einträge zu sehen.
Aus diesem Grunde habe ich meine Thermen-Schilderungen (die allerdings nicht immer sehr detailliert sind, bzw. bei denen die Blotts nicht immer auf die Thermenbesuche fokussieren) in einem eigenen Blott "Thermenwelt: Thermen der Welt (well: meiner Welt, also Thermalbäder in Deutschland)" verlinkt.





Textstand vom 25.07.2010.
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

Labels: , , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Freitag, 24. Februar 2006
 
Von der Atombombe zur Frauenemanzipation ...
... ist eine Überschrift, die keine gesellschaftlichen Kausalzusammenhänge beschreibt (wenn man von Lise Meitner einmal absieht). Und nicht einmal meinen Pfad zur Erkenntnis, denn das Denken über Emanzipation treibt mich schon seit langem um.

Als gewesener Bodenverteidigungssoldat der Deutschen Luftwaffe ("Z-Schwein" oder "W24" – das ist hier die Frage!) weiß ich natürlich, dass das Schanzen Blut spart.
Wenn ich gleichwohl nicht in die Schützengräben des Geschlechterkampfes steigen möchte, dann nicht so sehr deshalb, weil auf dem Feldherrnhügel meist deutlich weniger Blut vergossen wird als im Schützengraben. Ich meine: die Aussicht ist dort einfach besser.
Und wenn ich es beim Militär nicht zur Stellung auf dem Feldherrnhügel gebracht habe, kann ich doch wenigstens im Reich des Geistes den Adler rauslassen.

Prof. Dr. Martin van Creveld ist an allem Schuld. Der führte mich, wie ich in einem Nachtrag zu meinem Blog-Eintrag über die "Scholz-Bombe ... " näher beschrieben habe, von der Atombombe zur Frauenemanzipation und gibt mir auf diese Weise eine Veranlassung, dem geneigten (oder auch ungeneigten) Publikum schon länger gedachte Gedanken zu präsentieren. Eine Senfstaumauerbombe, so zu sagen, war, was ich über sein Buch "Das bevorzugte Geschlecht" (hier der ursprüngliche Publikationsort) las.

Eines zumindest habe ich von Oswald Spengler gelernt, und das sind zwei ganz allgemeine gedankliche Ansätze im Bemühen um das Verständnis gesellschaftlicher Entwicklungen:

- Zum einen die Philosophie der gesellschaftlichen (kulturellen, zivilisatorischen) Relativität (ein Aspekt des Spenglerschen Denkens übrigens, der m. E. viel zu wenig gewürdigt wird, obwohl er doch schon aufgrund der Kontemporaneität mit Einsteins physikalischer Relativitätstheorie ins Auge fallen müsste und obwohl er in meinen Augen das eigentlich Zukunftsträchtige in Spenglers "Untergang des Abendlandes" ist. Aber natürlich überdeckt Spenglers apodiktischer Stil seine inhaltlich relativistische Denkweise.)

- Zum anderen die Frage nach der gesellschaftlichen Funktion der 'großen' Entwicklungen.
Spengler verwendet nicht den Begriff "gesellschaftliche Funktion". Aber indem er die Vorstellung entwickelt, dass z. B. eine bestimmte Kunst, sagen wir mal, die Bildhauerei, einer ganz anderen Kunst – z. B. der Musik – in einer anderen Gesellschaft 'funktional äquivalent' (auch kein Begriff von oder bei Spengler) ist, stellt er die Frage nach dem Stellenwert, mathematisch gesprochen (Spengler war ja eigentlich Mathematiker!) kann man vielleicht sagen, die Frage nach der "Funktion" der – jeweiligen – Kunst, Philosophie, Technik usw. innerhalb eines Kulturkreises.

Und das ist, denke ich, die eigentliche Frage, die wir uns, wollen wir Wissen gewinnen, vorlegen (oder vornehmen) müssen: welchen Stellenwert innerhalb unserer kulturellen Entwicklung hat die Emanzipation (oder z. B. auch die starke Fixierung auf die Sexualität und der entsprechenden Tabuabbau).

Nicht ob Frauenemanzipation "richtig", "gerecht" oder "gut" ist, interessiert mich. Da sie gekommen ist, musste sie kommen. Und dass sie von den Befreiten als positiv empfunden wird, würde ich, müsste ich das Thema juristisch angehen, ohnehin "streitlos stellen".

But however: dass Kinder Spaß am Spielen haben schließt nicht aus, dass diese Spiele 'dazu dienen', die Kids auf den Ernst des Lebens vorzubereiten. In gleicher Weise ist auch, nach meiner Vorstellung, die gesellschaftliche Zahl der Emanzipationsmünze eine ganz andere Seite als der vom Individuum jeweils wahrgenommene Kopf.

Adesso: welches Spiel spielt unsere Gesellschaft hier mit uns? Ich denke, dass die Frauenemanzipation, wohlgemerkt unter dem Blickwinkel ihrer gesellschaftlichen Funktion, nicht aus demjenigen der individuellen Wahrnehmung betrachtet, eine Form der Ressourcenausbeutung ist.

Die Frauen sind das große Arbeitskräftereservoir, dass die bürgerliche Gesellschaft des 19. Jahrhunderts noch aufgestaut hatte (die proletarische natürlich weniger: da mussten die Frauen immer schon schaffen).

Hier sind noch Intelligenz und vor allem Kraft vorhanden, welche das Kapital auf seine Mühlen leiten kann, indem es die Frauen in seine "Mills" steckt (präziser: "lockt"!). Natürlich haben Frauen auch in agrarischen Gesellschaften voll mitgearbeitet (bzw. tun das noch heute). Und als einfache Fabrikarbeiterinnen waren sie, zumindest in bestimmten Industriezweigen (Textilindustrie, wohl auch Tabakindustrie usw.) ebenfalls bereits früher 'zugelassen'.
Aber das gesellschaftliche System des "Abendlandes" hat sie (wie in anderen Hochkulturen wohl auch) für 'höhere' Funktionen wenig oder gar nicht 'genutzt'.
Und selbst im 20. Jahrhundert hat es noch einmal Jahrzehnte gedauert, bis aus der militanten Suffragetten-Bewegung eine (mehr oder weniger) selbstverständliche Gleichberechtigung auch in Bildung, Erziehung und der Berufung in Führungspositionen wurde.

Nicht nur schöpft die "Gleichberechtigung" oder Emanzipation dieses brach liegende Potential aus. Darüber hinaus stellt sie Männer und Frauen auch in eine Konkurrenzsituation gegeneinander und treibt beide vielleicht auch dadurch zu höheren Leistungen an (wobei man hier nicht an Muskel-Leistungen à la Stachanow oder Hennecke denken darf, sondern an jene geistigen Leistungen, welche die moderne Arbeitswelt allen teils mehr, teils weniger abverlangt).

Wenn man (wie Spengler und andere) Hochkulturen als eine Art Organismen mit einer begrenzten Lebensdauer versteht, dann liegt die Annahme nahe, dass diese (auch) inneren Abnutzungsprozessen unterliegen, die u. a. aus dem Verbrauch von nicht-materiellen Ressourcen (also Werten usw. liegen), welche diese Systeme jeweils in ihrer Wachstumsphase aufgebaut haben.

[In gleicher Weise darf man übrigens vielleicht auch die sonstigen derzeit auf der legislativen und anderen Ebenen geführten Anti-Diskriminierungsaktivitäten anderer Art - Anti-Rassismus usw. - aus dem Interessengesichtspunkt (der Kapitalbesitzer, aber auch der Gesellschaft insgesamt) einer optimierten Humankapitalverwertung im Produktionsprozess begreifen. Und auch die - scheinbar zur Emanzipation gegensätzliche Erotisierung der Gesellschaft - begleitet von oder ermöglicht bzw. gesteigert durch entsprechendem Abbau von Tabus - darf man vielleicht in dieser Weise deuten. Wie ich schon in meinem Blog "Magonza, da capo" vermutete, könnte es sein, dass die blanken Brüste der Magazin-Titelseiten eine analoge Funktion haben wie einst bei den Germanenfrauen in der Wagenburg: Uns im Kampf - diesmal im ökonomischen Konkurrenzkampf - anzustacheln.] [Erg. 13.3.09: Etwas anders, tendenziell aber wohl vergleichbar, sieht das der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk. Der sagt in dem Interview vom 08.03.09 "Weltverschwörung der Spießer" (zur Finanzmarktkrise 2008 ff.) im Manager-Magazin: "Der amoralische Äther unserer Kultur verlangt die Umkehrung der Diskretionsgebote. Darum sollst du, wenn möglich, die Ehe brechen, das lockert die Stimmung und stimuliert den Konsum. Seit dem späten 19. Jahrhundert ist die Erotisierung unserer Kultur mit der wirtschaftlichen Liberalisierung verknüpft. Die eine Lizenz zieht die andere nach sich."]

Kann man die Frauen als eine solche früher brach liegende Ressource ansehen, und könnte es sein, dass der 'Sinn', oder, korrekter und nicht-teleologisch gesprochen, die gesellschaftliche Funktion der Gleichberechtigung darin liegt, zum einen die Ressource 'Frauen' für die weitere Entwicklung zu nutzen, zum anderen aber auch die 'Ausbeutung' (den Begriff hier nicht marxistisch, und überhaupt nicht irgendwie voluntaristisch verstanden) der Männer durch Konkurrenz zu verschärfen?
Und wird dies auf Dauer auch die Abnutzungsprozesse beschleunigen, oder kompensiert oder überlagert das Anzapfen dieses Potentials noch einmal (und ggf. wie lange?) bereits eingetretene Erschöpfungstendenzen?
Haben wir es hier mit einem Prozess des Abbaus von früher akkumulierten nicht-materiellen Ressourcen aus dem gesellschaftlichen "Überbau" zu tun, der die zivilisatorische Entwicklung beschleunigt, aber dabei gleichzeitig an seiner eigenen Basis nagt (ähnlich wie viele vom Kapitalismus behaupten, dass er die moralischen Grundlagen gefährde, auf denen er aufgebaut ist, und ähnlich wie es vielleicht mit den Rohstoffressourcen derzeit geschieht)?

Derartige Überlegungen mögen als spekulativ erscheinen, könnten sich jedoch im Sinne einer (kultur-)wissenschaftlichen Arbeitshypothese als durchaus lohnend erweisen.
Wenn aber wer was Besseres dazu weiß, rücke sie oder er damit raus!
Nur: was der Soldat im Schützengraben sieht, ist nicht 'die Frontlage'.
Und was wir als positiv wahrnehmen, und was uns (bzw. die Frauen) motiviert (z. B. für Gleichberechtigung einzutreten), ist nicht notwendig mit der gesellschaftlichen Funktion derartiger Prozesse identisch.

Sicher ist allerdings, dass in solchen menschheitsgeschichtlichen Dimensionen der Entwicklungs-Kampf selber dennoch in den Schützengräben ausgetragen wird, von jenen Ameisen, die nicht sehen können, was in der weiten Welt vorgeht.

Doch könnten selbst Feldherrnhügel bei derartigen Problemstellungen sich als bloße Maulwurfshaufen erweisen.


Hier der Link zu van Crevelds Welt-Essay
"Das arme starke Geschlecht: Schon vor der Geburt diskriminiert. Männer arbeiten schwerer, sterben früher und haben weniger Rechte als Frauen"
wo er uns als tapferer Vorkämpfer der wahrhaft geknechteten und entrechteten Männer sagt, wie es ist.

Und was ist die Antwort? Hohn und Spott der Gegenseite:
"Don Crevelds allerletzter Kampf" titelt Heide Oestreich in der taz vom 08.11.03.

Na also: ich wusste doch, dass wir Männer keine Chance haben. Und deswegen halte ich mich auch aus den Schützengräben raus ;-).


Nachtrag vom 09.03.06:

Emanzipation, Teil II:

......ooops: da fällt mir beim Ausmisten meiner Dateiordner heute, am 09.03.06, der vorliegende Text (vom 27.06.05 ff.) ins Auge, der logisch dem ersten Teil voran zu stellen wäre, nun aber hinten angeschlossen sei (denn zum Wegwerfen ist er eigentlich zu schade – meine ich; Leser können das natürlich anders sehen).


"DUAL USE ETHICS" oder "ÜBER DEN DOPPELTEN GESELLSCHAFTLICHEN NUTZEN MANCHER MORALEN"

"Is There Intelligent Life on Earth?" titelte der Biologe William Rees einen Vortrag im Jahre 2000 (http://aurora.icaap.org/talks/parklandrees.html). Rees, der das Konzept des "Ecological Footprint" entwickelt hat (wie viel Hektar Bodenfläche pro Person / Stadt / Land benötigt werden, um die Güter für einen bestimmten Lebensstandard herzustellen; vgl. dazu auch das Interview http://aurora.icaap.org/talks/rees.html), wundert sich darin, dass wir Menschen als vermeintlich intelligente Lebewesen unsere eigene Umwelt zerstören. [Damit wären wir übrigens dümmer als die Marienkäfer, welche nach den Beobachtungen meiner Frau von den Blattläusen auf ihren Balkonpflanzen immer welche übrig gelassen haben. Marienkäfer sind also nicht ohne guten Grund Glückssymbole.]

Ich will seine Fragestellung hier nicht direkt aufgreifen (Rees ist letztlich doch optimistisch), sondern nur einen Satz herausgreifen, in dem er (wie viele andere Autoren auch) soziale Herrschaftsstrukturen mit Umweltzerstörung in Zusammenhang bringt:
"Human domination over nature has its parallel, in fact, some would say it's structurally almost organically related to male domination over females, the domination of the west over the east, domination of the north over the south, there is a whole complexity of dominance in this paradigm that emerges in these ways." (Hervorhebung von mir.)

Sehr viel ausgeprägter ist diese Verbindung z. B. bei Fritjof Capra in seinem Buch "Wendezeit". Seine Ideen gründen, nach meiner Einschätzung, auf –3- Fundamenten: Thomas Kuhns Lehre von den wissenschaftlichen Revolutionen ("Paradigmenwechsel") (Einstieg auf Deutsch z. B. über: http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Samuel_Kuhn; auf Englisch über http://en.wikipedia.org/wiki/The_Structure_of_Scientific_Revolutions), die außer Capra auch zahlreiche andere Autoren auf die gesellschaftliche Entwicklung übertragen haben, ein allgemeines Krisengefühl und eben der Feminismus; freilich in jener recht ursprünglich-naiven Form (das Buch wurde erstmalig bereits 1982 veröffentlicht), welche seinerzeit in Verbindung mit den antiautoritären Bewegungen eine bessere Welt errichten zu können glaubte (die damals verbreitete Lehre vom physiologischen Gutsinn des Weibes ist, wenn ich das richtig sehe, heute auch nicht mehr gar so weit verbreitet).

Das alles aber nur als Einstieg oder Beispiele, um die Frage nach der historischen Funktion der Frauenemanzipation aufzuwerfen. (Hier http://www.muellerscience.com/SPEZIALITAETEN/Varia/LiteraturMenschenbilder.htm übrigens eine interessante chronologische Bibliographie zum Thema Menschenbilder / Frauenbilder). Die kulturhistorische Dimension einer breiten gesellschaftlichen Bewegung wird man kaum anhand der rationalen Beschreibungen und der emotionalen Befindlichkeiten der Handelnden selbst verstehen können. Diese Überlegung lässt sich am Beispiel des Kinderspiels anschaulich illustrieren.

Warum spielen Kinder? Darauf gibt es, ganz grundsätzlich, zwei Antworten:

1) Weil es Spaß macht.
2) Weil sie sich auf das (Arbeits-)Leben vorbereiten wollen.

Die 2. Antwort ist in dieser Form allerdings irreführend, weil sie suggeriert, dass Kinder mit dem Ziel einer Lebensvorbereitung spielen. Objektiv bereiten sie sich vor, aber ohne dass subjektiv zu wollen oder auch nur zu wissen. Richtig müsste man also etwa sagen "weil die Natur das Spiel als Einübung in das Erwachsenenleben entwickelt hat".

Es liegt nahe zu vermuten, dass Doppelgesichtigkeit auch in anderen gesellschaftlichen Entwicklungen wirksam ist.

Das Spiel ist lustbetont; die Emanzipation auch. Nun sollte man vermuten, dass die Emanzipation, wenn sie denn (nur) Befreiung ist, einfach eine logische Fortsetzung der politischen Entwicklungen in den abendländischen Gesellschaften darstellt, zumal nach der expliziten oder impliziten Grundannahme in unserer Kultur jeder Mensch nach Freiheit strebt. Insoweit könnte man es zwar verstehen, wenn Männer der Emanzipation Widerstand entgegen setzen; das solcher Widerstand von Frauen ausgehen kann, bereitet allerdings schon Erklärungsmühen. Man kann z. B. annehmen, dass die Frauen derart lange von den Männern unterdrückt wurden, dass sie sich an ihre Rolle gewöhnt haben (wie sich Individuen auch an Gefangenschaft gewöhnen können und, wenn in Freiheit entlassen, desorientiert sind).
Andererseits: auch in der französischen Revolution haben ja Adelige gegen ihre eigenen Interessen gekämpft – oder jedenfalls gegen Institutionen und Regelungen, die ihre Interessen, wie sie üblicherweise von der Gesellschaft verstanden werden, förderten.

Merkwürdig ist allerdings, in welch großer Zahl etwa Frauen aus islamischen Ländern Kopftücher tragen, die ja ein Symbol der Unterordnung par excellence sind. Wenn man sie sieht, hat man nicht den Eindruck, dass sie das unter Zwang tun; es scheint sich (habe noch nicht nachgeforscht, ob es etwa anthropologische Untersuchungen zu dieser Frage im Internet gibt – oder werden die in den Giftschränken versteckt?) nicht nur um eine bewusste Abgrenzung, sondern sogar um einen bewussten Protest gegen die westliche Kultur zu handeln.

Lassen wir aber die Frage, ob emanzipierte Frauen von Natur aus glücklicher sind oder nicht, beiseite und begnügen wir uns hier mit der wohl kaum umstrittenen Feststellung, dass in unserer Kultur die Emanzipation mit den durch sie eröffneten gesellschaftlichen Möglichkeiten im Bewusstsein der Emanzipierten (oder, wenn man an die "Kampfzeiten" denkt: der sich Emanzipierenden) emotional positiv besetzt ist.

Dann bleibt noch immer die Frage zu klären, ob das Glück der Einzelnen tatsächlich das "Ziel" dieser gesellschaftlichen Entwicklung ist. Und, wenn nicht, welche Funktion die Emanzipation in der Entwicklung unserer Kultur hat oder haben könnte.
Betrachtungen zu diesem Punkt, die sich bei einer logisch strukturierten Abfolge an den vorliegenden "Teil II" des Blog-Eintrages anschließen müssten, finden sich nun "Eintragungs-chronologisch" bedingt, im I. Teil.

Als Schlussfolgerung aus Teil I ergibt sich wiederum, dass Behauptungen (wie etwa die eingangs zitierte von William Rees), wonach die Ausbeutung der Natur mit der Herrschaft des Mannes über die Frau zusammen hänge, nicht zutreffen. Genau umgekehrt intensiviert sich gerade jetzt nach dem oder parallel zum "Zusammenbruch" des Patriarchats die ökonomische Ausbeutung der Natur.

Was subjektiv als gut empfunden wird, muss nicht auch objektiv "gut" sein. Das wird allerdings häufig übersehen, und im Sinne einer, wie ich sagen möchte: "Zuckerlogik" wird die Dimension der (positiven) subjektiven Wahrnehmung (und Auswirkung) einer gesellschaftlichen Entwicklung objektiv überhöht.
Die Frage ist dann (für die Behauptenden ebenso wie für die Bestreitenden) natürlich: was heißt überhaupt "objektiv gut"?? Wir haben es wohl mit einer Mehrdimensionalität der Wirkungen zu tun, die wir letztlich gar nicht abschätzen können: Stichwort (aus Teil I): "Maulwurfshügel"!.

--------------------------------------------------------

Wie Wildwasser in eine schlecht gefasste Mineralquelle schießt bei derartigen Überlegungen immer wieder das Problem herein, welches für das Nachdenken über Gesellschaft überhaupt zentral ist: kann sich der Mensch gedanklich gewissermaßen in eine übergesellschaftliche (oder sollte ich sagen: "überevolutionäre"?) Position erheben, um die Gesellschaft quasi "von außen" zu steuern?
Ich lasse zu diesem Punkt hier die sehr rudimentären (wenn auch jetzt ein wenig angereicherten) Gedankengänge stehen, die ich damals notiert hatte.

Der Marxismus war der grandioseste gedankliche (und, wenn man von einigen utopischen Gemeinschaften und vielleicht dem Jesuitenstaat in Paraguay – über den ich allerdings nicht näher informiert bin - absieht, der einzige realisierte) Versuch einer derartigen Steuerung der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung(srichtung). (Was freilich die Marxisten selbst, die sich ja lediglich als Geburtshelfer des Zeitgeistes betrachten bestreiten werden.) Sein Scheitern müsste uns skeptisch stimmen bezüglich einer solchen Möglichkeit.

Im Kontext der Abfassung der vorliegenden früheren Überlegungen zur Emanzipationsfragen stieß ich durch die (teilweise) Lektüre des Buches "Wendezeit" von Fritjof Capra (mir vorliegend in der Sonderausgabe von 1985) wieder einmal auf das Steuerungsproblem.
Capra selbst sieht die grundsätzliche Problematik durchaus; so heißt es auf S. 233 unten:
"Wachstum[ist] wesentliches Charakteristikum des Lebens";
und auf S. 234: "Tatsächlich scheinen Evolution Wandel und Wachstum wesentliche Aspekte der Wirklichkeit zu sein".
Was (beileibe nicht nur:) Capra verkennt, ist, dass z. B. unsere heutigen Anschauungen über Wachstum nicht einfach zufällige oder krankhafte Fehlentwicklungen sind, sondern einfach die "Bewusstseinsseite" des – wie soll ich sagen? vielleicht: - "Wachstumsdranges" des Lebens selbst, wie es sich schon unterhalb der menschlichen Ebene in der Entwicklung der Pflanzen- und Tierwelt zu immer größer Komplexität und immer vollständigerer Ausnutzung aller (potentiellen) Räume der Erde ausdrückt.
Insofern wären, und dass muss man leider allen wohlmeinenden Aposteln eines theoretisch erdachten "vernünftigen (oder nachhaltigen) Wachstums" entgegen halten, nicht erst unsere Anschauungen falsch, sondern schon die Entwicklungsgesetze, oder jedenfalls die Entwicklungsrichtung, "des Lebens" oder "des Lebendigen" an sich!


Nachtrag 16.05.08:
Die Nachverfolgung eines Suchzugriffs auf meine Seiten entdeckte brachte mir heute die interessante Erkenntnis, dass die Meinungen des Anthropologen Hans Peter Duerr zur Ressourcenverknappung und zur zivilisationsgeschichtlichen Funktion des Feminismus weitestgehend mit meinen identisch sind. Dies schließe ich aus seinen Äußerungen in einem Spiegel-Interview "Von herzlosen Hedonisten zum sozialen Kollaps" (den Hinweis "Quelle: DER SPIEGEL 49 / 2000 / 188 ff" entnehme ich einem anderen 'Abdruck' des Interviews auf dieser Seite, die freilich im Kommentar reichlich merkwürdige Ansichten enthüllt) auf der Webseite "Anarchie heute", .
Genau wie ich ist Duerr ein Ressourcenpessimist (zusätzlich allerdings noch ein Umweltpessimist und Gesellschaftspessimist; in diesen beiden Punkten bin ich weniger skeptisch). Außerdem hinterfragt er den Feminismus auf seine möglichen sozialökonomischen Funktionen. So wie ich in meinen o. a. Überlegungen leitet Hans Peter Duerr dessen Entstehung, darf man wohl vermuten, aus eben diesen Zusammenhängen ab, und nicht etwa - wie das die eigene Narrative dieser Bewegung tut - aus einer Entwicklung "zum Guten" oder "zum Fortschritt" her). Hier die einschlägigen Textpassagen betr. Feminismus (Hervorhebungen von mir):

"........ Duerr: ...Immer stellt sich diesen Leuten die Frage: Was bringt mir das?
SPIEGEL: Nach dieser Logik sind alle individualistischen Bewegungen modernistische Erzübel. Ist das nicht arg übertrieben?
Duerr: Leider überhaupt nicht. Der Feminismus zum Beispiel stößt deshalb allenthalben auf so viel Zustimmung, weil der Markt die unabhängige, selbständige Konsumentin braucht und eben nicht die sich aufopfernde Frau als Geliebte und Mutter. ..........
SPIEGEL: Sie behaupten, der Feminismus sei eine reaktionäre Ideologie?
Duerr: Es liegt eine gewisse Tragik darin, dass Emanzipations-Freunde immer wieder erkennen müssen, dass sie im Grunde Erfüllungsgehilfen der modernen Marktgesellschaft gewesen sind. Denken Sie an die 68er mit ihren Forderungen nach hemmungsloser Bedürfnisbefriedigung. Ohne es zu wissen, waren sie damit die Avantgarde des Kapitalismus. .........
"

Mehr über Duerr, auch über seinen Rohstoffpessimismus, in meinem Blott "Magonza, da capo".


Nachtrag 04.03.09:
Zweifel an der Vollwertigkeit der ideologischen Verheißungen des Feminismus äußert der Sozialforscher Neil Gilbert in einem Zeit-Interview vom 26.02.09 "Unabhängigkeit. Feminismus sticht Sozialismus":
"Das Ideal der Vollzeit arbeitenden Mutter ist nur etwas für Hochqualifizierte: Der Sozialforscher Neil Gilbert über die Lüge vom Job als Weg zur Unabhängigkeit."


Nachtrag 12.01.2011
Bei (umzugsbedingten) Aufräumarbeiten fiel mir heute der emanzipationskritische FAZ-Artikel "Produktion und Reproduktion. Über die Entheiligung der klassischen Familie im rot-grünen Zeitalter" des Berliner Soziologen Professor Dr. Norbert Bolz vom 22.02.2003 in die Hände, den ich hier hauptsächlich 'pro memoriam' verlinke. (Inhaltlich sei nur angemerkt, dass es fragwürdig ist, die Emanzipation - als gesellschaftliche Tiefenentwicklung - allzu sehr an die rot-grüne Koalition - als gesellschaftliche Oberflächenerscheinung - festzumachen!)




Textstand vom 12.01.2011
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

Labels: , , , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Mittwoch, 22. Februar 2006
 
Grass redet Blech
Der deutsche Dichter Günter Grass hätte ein wenig länger unter dem Rockzipfel seiner kaschubischen Großmutter hervor- und die Propheten-Karikaturen anschauen sollen.
Denn wenn er wirklich alle zwölf Zeichnungen genau betrachtet hätte, würde er kaum behauptet haben, dass die Mohammed-Karikaturen an antisemitische Darstellungen im "Stürmer" erinnern.

Diese Behauptung (auf die ich unten noch näher eingehen werde) ist nicht der einzige Unsinn, den Günter Grass in einem Interview von sich gegeben hat, das in der spanischen Zeitung "El Pais" am 09.02.2006 erschienen ist und in deutscher Übersetzung in der Zeitung "Die Welt" am 10.02.06 (Link : http://www.welt.de/data/2006/02/10/843397.html) veröffentlicht wurde.


Nachfolgend einige Zitate (Hervorhebungen von mir) jeweils mit meinen Anmerkungen:

"Es handelt sich hier um eine bewusste und geplante Provokation einer rechten dänischen Zeitung. Diese hatte einen Karikaturwettbewerb ausgerufen, an dem einige sich teilzunehmen weigerten mit dem Hinweis auf das Tabu, Mohammed graphisch darzustellen. Die Zeitung konsultierte sogar einen dänischen Islamexperten, der Warnungen aussprach. Aber die Zeitungsleute haben trotzdem weitergemacht, weil es radikale, ausländerfeindliche Rechte sind."

Wir können nicht wissen, welche Gedanken Flemming Rose, dem verantwortlichen Redakteur der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten", durch den Kopf gegangen sind, als er zunächst den Karikaturen-Wettbewerb ausgeschrieben und später die Veröffentlichung der zwölf Zeichnungen veranlasst hat. Die Bewertung, die Günter Grass hier abgibt, kann zutreffend sein oder auch nicht; sicherlich kann man sie nicht von vornherein als unsinnig oder falsch bezeichnen.
Andererseits sollte man allerdings die Entstehungsgeschichte zur Idee für die "Cartoonade" nicht vergessen: die Schwierigkeiten eines Verlages nämlich, einen Illustrator für ein Kinderbuch über den Propheten Mohammed zu finden, weil alle Künstler fürchteten (und vor dem Hintergrund etwa der Ermordung des holländischen Filmregisseurs Theo van Gogh (ausführlicher in der englischsprachigen Wikipedia) durch einen fanatischen Islamisten auch durchaus Gründe dafür hatten), für Propheten-Zeichnungen mit ihrem Leben bezahlen zu müssen.


"Wir leben in einer Zeit, in der einer Gewalttat die nächste folgt. Die erste ist die durch den Westen gewesen, die Invasion des Irak."

Der erste Satz gehört zu dem Arsenal der Topoi vom Typus "Je, je, wie sind die Zeiten so schlecht ...". [Verbunden mit dem logischen Umkehrschluss: früher war das ganz anders ...]
In Wirklichkeit ist unsere Zeit, verglichen etwa mit dem Mittelalter oder der Renaissance, von der Völkerwanderung ganz zu schweigen, im historischen Vergleich relativ friedlich. Parallel zur zunehmenden Eindämmung der Gewalt (wenigstens auf der "großen" Ebene – Kriege usw.) haben sich allerdings die Wahrnehmungen der noch vorkommenden Kriege und sonstigen Gewalttaten, sowie deren Bewertung, geändert: wir erfahren heute mehr darüber als die Menschen früherer Zeiten, und wir sind sensibler dagegen.
Aber dass nun speziell in unserer Zeit "einer Gewalttat die nächste folgt" [und in früheren Zeiten nicht], ist sicherlich unzutreffend.

Der zweite Satz ist schlicht erschütternd, und die Vergesslichkeit von Günter Grass allenfalls mit seinem hohen Alter (* 16.10.1927, als0 78 J.) zu entschuldigen.
Die Besetzung des Irak durch die Amerikaner und ihre britischen Alliierten, sowie durch die eher symbolischen Kontingente verschiedener anderer Länder, will ich keineswegs rechtfertigen. Aber da war doch vorher noch was gewesen? Dass Günter Grass den Anschlag auf das World Trade Center in New York vom 11.09.2001 so rasch aus dem Gedächtnis verdrängen konnte, ist schon erschreckend.
Natürlich kann man sagen, dass auch dieser Anschlag nicht der Anfang des (welches?) Ganzen war. Vorher gab es den Kuwait-Krieg, die Kriege zwischen Israel und den Palästinensern, die Briten und Franzosen als Kolonialherren ... . Genau genommen hat es seit Kain und Abel immer irgend welche Gewalttaten gegeben, mit denen Andere die ihren dann mehr oder weniger überzeugend rechtfertigen konnten. Jedenfalls war der Einmarsch der (hauptsächlich) Amerikaner in den Irak nicht "die erste" Gewalttat in den Auseinandersetzungen (wenn man hier mal eine derartige Perspektive einehmen will:) zwischen "den Moslems" und "dem Westen".
Es war übrigens, auch daran muss man Grass offenbar erinnern, nicht "Der Westen", der in den Irak einmarschiert ist. Deutsche Truppen waren nicht dabei.
[Im Iran könnte das, sollte es zum Äußersten kommen, anders werden; die dortige Situation wäre allerdings unter präventiven Aspekten völlig anders zu bewerten. Allerdings sieht der israelische Militärhistoriker und -analytiker Prof. Dr. Martin van Creveld die iranischen Atompläne weitaus entspannter: vgl. das Interview "Bei Kernwaffen lügen sie alle" in der "Jungen Freiheit" vom 20.01.2006; ich selbst stieß übrigens hier zufällig auf das Interview, das auch bemerkenswerte Meinungsäußerungen zur Realisierbarkeit einer deutschen Atombombe enthält.]


"Wir haben das Recht verloren, unter dem Recht auf freie Meinungsäußerung Schutz zu suchen."

Auch ich habe kritisch darauf hingewiesen, dass wir die Meinungsfreiheit juristisch nicht absolut setzen (vgl. "MEINUNGSFREIHEIT IST KÄSE"). Aber ein solcher Satz, wie in Grass hier loslässt, haut mich einfach um.
Auch wenn man die Formulierung im Zusammenhang liest (Grass weist darauf hin, dass die Freiheit der Presse bei uns durch wirtschaftliche Interessen faktisch eingeschränkt ist, und dass es noch nicht so lange her ist, als es Delikte wie "Majestätsbeleidigung" gab), ist er nicht zu rechtfertigen.
Grass selbst wäre sicherlich nicht gewillt, sich das Recht auf freie Meinungsäußerung nehmen zu lassen. Und wenn dieses in der Praxis nicht immer ausgeübt wird, u. a. wegen wirtschaftlicher Rücksichtnahmen der Medien, heißt das ja noch lange nicht, dass wir nicht auf dem Recht an sich beharren dürfen (und müssen).
(Meine Kritik an der vorliegenden Formulierung schließt natürlich nicht aus, dass im konkreten Falle das Recht auf Meinungsäußerung von der "Jyllands-Posten" – gewollt oder nicht - überdehnt wurde.)
[Auch Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ, ist deutlich irritiert: "Günter Grass, in einem erstaunlichen Interview in 'El Pais', ... dekretierte das Ende der Pressefreiheit" staunt er.]

"Woher nimmt der Westen die Arroganz, bestimmen zu wollen, was man tun darf und was nicht?"

Ja lieber Herr Grass: wer sonst als der Westen soll denn bestimmen dürfen, was man im Westen tun darf oder nicht? Jedenfalls kämen allenfalls wenige Menschen bei uns auf die Idee, etwa von den Saudis die Veröffentlichung von Mohammed-Zeichnungen zu verlangen. Mit anderen Worten: Diese Form von Kritik am Westen liegt neben der Sache.

Gleich anschließend an das vorherige Zitat fährt Grass fort:
"Ich empfehle wirklich allen, sich die Karikaturen einmal näher anzuschauen: Sie erinnern einen an die berühmte Zeitung der Nazi-Zeit, den 'Stürmer'. Dort wurden antisemitische Karikaturen desselben Stils veröffentlicht."

Mit "berühmt" als Beiwort für das Nazi-Hetzblatt "Der Stürmer" habe ich so meine Schwierigkeiten. Ich würde das Adjektiv "berüchtigt" vorziehen.
Immerhin mag es sein, dass Grass "berüchtigt" gesagt hat, und nur durch einen Übersetzungsfehler ins Spanische oder einen Fehler bei der Rückübersetzung ins Deutsche daraus "berühmt" geworden ist, so dass wir diese sprachliche Unschärfe nicht überbewerten sollten.

Was mich allerdings wirklich auf die Palme (sowie zur sezierenden Analyse seiner Aussage und zum Verfassen meines vorliegenden Blog-Eintrages) bringt, ist Grass' Gerede von 'den' Karikaturen.
Schon ein flüchtiger Blick auf die Zeichnungen macht verständlich, dass Menschen, und besonders Muslime, einige davon durchaus als beleidigend empfinden können. Ich könnte es verstehen, wenn jemand gezielt die Karikatur mit den (abstrahierend dargestellten) (1) Frauengestalten, deren zeichnerische Aussage ich, ehrlich gesagt, zwar nicht verstehe, welche aber durch den beigefügten Spruch (hier auf englisch übersetzt) "Prophet! daft and dumb, keeping women under thumb" einen deutlich anti-islamischen Zug bekommt, gedanklich in der Nähe von Stürmer-Karikaturen gegen die Juden ansiedeln würde. [Obwohl die Karikaturen aus dem Hetzblatt von Julius Streicher bei, wie man juristisch sagen würde, "verständiger Würdigung" denn doch noch um einiges schlimmer sind: vgl. etwa hier; an dieser Stelle sind die amtisemitischen Nazi-Karikaturen übrigens sogar in der Jewish (!) Virtual Library im Internet publiziert.]
[Nebenbei bemerkt, waren Jesus und sein Zwölf-Männer-Bund ja auch nicht gerade die Speerspitzen der Frauenemanzipation: Weiber waren denen gerade zum Füßewaschen gut genug. Jesus und Mohammed waren insoweit halt Kinder ihrer Zeit und in deren jeweiligen gesellschaftlichen Vorstellungen befangen. Dass wir die Frauenemanzipation nicht dem Christentum verdanken, lehrt schon ein Blick auf das noch heute den Männern reservierte Priestertum der katholischen Kirche.]

Auch das andere Bild mit (realistisch dargestellten) (2) verschleierten Frauen, auf dem ein grimmig dreinschauender Prophet im Vordergrund mit einem Krummschwert droht, kann Assoziationen an Stürmer-Karikaturen wecken.

Mohammed mit dem (3) "Bomben-Turban" ist ebenfalls nicht gerade freundlich. Diese Karikatur (wie auch die anderen) spielt aber im Unterschied zum "Stürmer" immerhin auf reale Vorgänge – Terroranschläge zwar nicht "der" Moslems, aber doch einiger radikaler Islamisten – an.

Problematisch sind außerdem sicherlich noch das Bild vom (4) Mohammed mit Hörnern (Heiligenschein), das Bild des Propheten in der Wüste (vielleicht missverstehe ich es, aber eine Deutung im Sinne von (5) "Kameltreiber" liegt natürlich nahe).

Dass die Karikatur des Propheten am Eingang zum Paradies, der den Terroristen den Eintritt mit dem Hinweis verwehrt, der Vorrat an (6) Jungfrauen sei ausgegangen, für moslemische Augen unerfreulich ist, kann ich mir zwar vorstellen. Eine Beleidigung des Propheten vermag ich darin allerdings nicht zu erkennen. Hier hat sich der Karikaturist eindeutig über den Glauben der Terroristen lustig, bzw. diese lächerlich gemacht, dass sie einen Heiligen Krieg führen (und mit den Wonnen des Paradieses für ihr Tun belohnt werden). Soweit der Koran eine solche Belohnung vorsieht, ist natürlich auch eine – verbale oder zeichnerische - Kritik an einschlägigen Textstellen legitim. Terroristen der Lächerlichkeit preiszugeben, ist wohl das Schlimmste, was man Fanatikern antun kann, und genau das leistet diese Karikatur mit ihrer eindeutigen Botschaft: ihr seid Idioten, wenn ihr glaubt, für eure Taten in den Himmel zu kommen; über solche Dummköpfe können wir (abgesehen davon, dass wir sie natürlich auch polizeilich verfolgen) nur lachen! Erinnern wir uns an diese Zeichnung, falls es noch einmal Terroranschläge oder islamistische Fememorde geben sollte, und kleben wir sie massenhaft auf sämtliche Plakatwände! [Diese Paraphrase darauf - gewissermaßen eine Karikatur der Karikatur - ist freilich auch nicht schlecht!!!]


Wir haben also 5, äußerstenfalls 7, Karikaturen, deren Inhalt man (teils mehr, teils weniger) als beleidigend oder rassistisch empfinden könnte.
Insgesamt ungefähr die Hälfte: das ist (zu) viel, aber das sind eben nicht einfach "die", also nicht alle der, Mohamed-Karikaturen! Keine dieser Karikaturen ist außerdem hasserfüllt, wie es die Zeichnungen im Stürmer sind. Da liegen Welten dazwischen, und wer die Propheten-Karikaturen, selbst noch die schlimmsten, mit der antisemitischen Hetze im Stürmer gleichsetzt, ist ein 'terrible simplificateur'. Derartige Parallelisierungen sind darüber hinaus nicht einfach nur schrecklich, sie sind vor allem auch gefährlich. Denn Günter Grass hat wohl auch nicht bedacht, dass solche Gleichsetzungen die Nazi-Hetze relativieren. Das aber wäre doch zweifellos das Letzte, was er will.

Die empörendste Vereinfachung liegt natürlich darin, dass er völlig undifferenziert alle zwölf Mohammed-Karikaturen über einen Kamm schert.

Der Zeichner des Schülers "Mohammed", der in Persisch an die (8) Schultafel schreibt "Die Journalisten von Jyllands-Posten sind eine Bande reaktionärer Provokateure" [im Original – z. B. hier im Rahmen der Serie zu sehen - ist das Bild natürlich ohne die englischsprachigen Zusätze erschienen], kann am allerwenigsten einer anti-islamischen Haltung verdächtigt werden.

Und jener (9) angschlotternde Karikaturist, der im abgedunkelten Zimmer verstohlen ein Bild des Propheten zeichnet, trifft am besten von allen den Ausgangspunkt der ganzen Kontroverse, nämlich die Furcht der Illustratoren, Bilder des Propheten Mohammed (für ein Kinderbuch) zu zeichnen.
Diese Karikatur sollte, wem immer es um Meinungsfreiheit geht, ins Zentrum seiner Betrachtungen rücken. Die darin geäußerte Kritik am islamistischen Terror, die keinerlei Kritik an oder Beleidigung des Propheten enthält, ist legitim und notwendig. Es ist bedauernswert (aber leider in gewisser Weise wohl auch kennzeichnend für unsere Medien oder auch für unsere Mentalität oder Wertepriorität), dass bei den Nachdrucken in anderen Zeitungen und Zeitschriften der 'Bomben-Turban' im Vordergrund stand (so zumindest mein Eindruck, der allerdings nicht durch umfangreiche Kenntnisse gestützt ist und deshalb falsch sein könnte; ggf. lasse ich mich gern korrigieren).
(Nachdem ich diese Zeilen geschrieben hatte, stieß ich zufällig auf den Text von einem gewissen David Morris u. d. T. "The Slippery Slope of Self-Censorship". Genau wie ich fordert Morris eine differenzierte Betrachtung der Muhammed-Karikaturen und möchte ebenfalls den 'nervösen Karikaturisten' ins Zentrum der Debatte stellen:
"What would I have done if I were a newspaper editor? I'd have begun by publishing a single cartoon, the one of the artist at his drawing table, glancing fearfully over his shoulder as he drew an image of Mohammed. I would have invited discussion by all parties, not only in the pages of the paper but on its website and in other public forums.")

In keiner Weise anti-islamisch ist auch jene (10) Zeichnung, welche den Kinderbuchautor Kare Bluitgen mit einem Turban auf dem Kopf zeigt, in den eine Orange gefallen ist. Dazu gibt es – wie auch zu den anderen Karikaturen - eine Erläuterung in der englischsprachigen Wikipedia: "Another [cartoon] shows journalist Kåre Bluitgen, wearing a turban with the proverbial orange dropping into it, with the inscription 'Publicity stunt'. In his hand is a child's stick drawing of Muhammad. The proverb 'an orange in the turban' is a Danish expression meaning 'a stroke of luck': here, the added publicity for the book."

Beim (11) Prophetengesicht in der Mondsichel wüsste ich nicht, inwiefern das beleidigend gemeint sein oder empfunden werden könnte, aber auch bei dieser Zeichnung verstehe ich nicht, worauf der Karikaturist hinaus wollte.
(Es liegt, nebenbei bemerkt, auch darin ein riesiger Unterschied zu den Stürmer-Bildern, dass diese, "dank" ihrer Primitivität, unmittelbar verständlich sind, während man bei den 'Dänen-Zeichnungen' teilweise schon länger überlegen muss, was eigentlich gemeint ist.)

Den Sinn der Darstellung der (12) 'polizeilichen Gegenüberstellung' verstehe ich ebenfalls nicht so recht. Eine Beleidigung des Propheten ist aber sicherlich nicht beabsichtigt und ist nicht zu erkennen. Anscheinend handelt es sich um eine weitere Anspielung auf den PR-Effekt der Karikaturen-Aktion für den Kinderbuchautor. [Erläuterung in der Wikipedia englisch: "A police line-up of seven people wearing turbans, with the witness saying: 'Hm... jeg kan ikke lige genkende ham' ('Hm... I can't really recognise him'). Not all people in the line-up are immediately identifiable. They are: (1) A generic Hippie, (2) politician Pia Kjærsgaard, (3) possibly Jesus, (4) possibly Buddha, (5) possibly Muhammad, (6) generic Indian Guru, and (7) journalist Kåre Bluitgen, carrying a sign saying: 'Kåres PR, ring og få et tilbud' ('Kåre's public relations, call and get an offer')."]


Zurück nun aber zur Textanalyse des Interviews von El Pais mit Günter Grass. Dort sagt er u. a. noch:

"Wir haben das Glück der Renaissance, der Aufklärung gehabt ... . Die islamische Welt hat diesen Prozess nicht durchgemacht, sie befindet sich auf einer anderen Entwicklungsstufe. Und das muss man respektieren."

Hinsichtlich der "anderen Entwicklungsstufe" könnte er zwar objektiv Recht haben, aber von einer anderen Warte aus lässt sich natürlich auch eine solche Äußerung schon wieder als "anti-moslemisch" kritisieren. Letztlich impliziert eine derartige Feststellung eine Bewertung der islamischen Länder als zivilisatorisch zurück geblieben, und diese Einstufung wird den Menschen dort genau so wenig gefallen, wie die Karikaturen.
Ebenso kann man sich fragen, ob wir nicht jedenfalls von denjenigen Muslimen, welche im Westen leben, eine Anpassung an die hiesige Entwicklungsstufe verlangen können oder sogar müssten.


"Die Wunden sind bereits tief, nicht nur in den arabischen Ländern, sondern in den armen Ländern allgemein. Der Westen scheint nicht in der Lage zu sein, einen Weg zu finden, diese Länder wie gleichberechtigte Partner zu akzeptieren. Es war unmöglich, für sie dieselben Verhältnisse zu schaffen, die wir für uns in Anspruch nehmen."

Hier sind für mein Empfinden zwei nicht so recht kompatible Aussagen zusammen gebracht, nämlich
a) die Kritik, dass der Westen die armen Länder nicht als gleichberechtigte Partner akzeptiert und
b) die [als Kritik gemeinte?] Feststellung, dass wir für die Menschen in diesen Ländern nicht die gleichen [gemeint wohl: materiellen] Verhältnisse, also Wohlstand, schaffen konnten, wie wir ihn "für uns in Anspruch nehmen" [hier hätte Grass ruhig präziser sagen dürfen: "wie wir ihn für uns geschaffen haben"!]
Dass wir die anderen nicht immer fair behandeln [z. B. Handelshemmnisse usw.], ist kaum zu leugnen *; insoweit ist die Kritik von Grass berechtigt. Allerdings ist es schwierig, zwischen Partner mit unterschiedlichem Zivilisationsstand ein Verhältnis auf 'gleicher Augenhöhe' zu unterhalten.
Unterschiede im Zivilisationsniveau sollten freilich Fairness seitens des fortgeschritteneren Partners nicht ausschließen.
Den Schuh jedoch, dass wir für die Menschen in diesen Ländern irgendwelche Verhältnisse schaffen müssten, sollten wir uns weder anziehen, noch sollten wir ihn uns anziehen lassen (und uns auch nicht von derartigen Forderungen unser Geld von ineffizienten und korrupten Regimen aus den Taschen ziehen lassen). Weder ist es unsere Aufgabe oder Pflicht, die anderen auf einen 'Großen Sprung nach Vorn' zu schubsen, noch reicht unsere Kraft dazu aus. Die helfende Hand ausstrecken (was auch finanzielle Hilfen einschließen kann - soweit sie etwas bewirken): das sollten wir schon tun.
Den Rest (bzw. die Hauptsache) müssen die Menschen in den islamischen (bzw. überhaupt in den weniger entwickelten) Ländern allerdings selbst leisten – wie es die Ostasiaten ja auch schaffen. Natürlich sind die historischen Bedingungen aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungslinien nicht vergleichbar, und für die Chinesen, vielleicht auch für die Inder, die mittlerweile ja ebenfalls ihre Wirtschaft ein wenig dereguliert und einen 'selbsttragenden Aufschwung' in Gang gebracht haben, waren die kulturellen Vorbedingungen offenbar günstiger als für die (meisten) islamischen Länder.
Aber dann können wir denen auch nicht helfen, es sei denn, man wollte sie mit Blut und Eisen auf den Weg des Fortschritts treiben (so wie einst Karl der Große die Sachsen?). Was Grass aber wohl auch nicht will.
Während wir auch intern mittlerweile (hoffentlich) lernen, dass ein Staat nicht Hängematten für alle aufspannen kann und darf, dürfen und müssen wir das auch nach außen sagen und konsequent praktizieren: Hilfe zur Selbsthilfe ja; sentimentale 'Pflaster-für-alle-Wunden-Politik' nein! Letztlich vergrößert so etwas die Probleme nur.


"Man kann über alles reden, selbst über konfliktreiche Themen, wenn jeder die Toleranz mitbringt, die er auch vom anderen erwartet - selbst wenn der eine andere Vorstellung von Kultur hat, die von eigenen Tabus bestimmt wird.

"Ein Topos, welcher lieb und nett, hilft wenig gegen einen Kopf hinterm Brett" kann ich dazu nur sagen.
Der erste und der dritte Teilsatz sind in der Kombination logisch schon deshalb nicht zu beanstanden, weil sie im Grunde auf eine Tautologie hinauslaufen. Denn ob die Leute Toleranz mitbringen, kann ich nur daran erkennen, ob sie über alles reden. "Über alles reden" und "Toleranz mitbringen" bezeichnen praktisch identische Sachverhalte.
Aber Grass meint den Satz nicht abstrakt. Denn vorausgegangen war die Schilderung eines konkreten Sachverhaltes:
"Vor zwei Jahren trafen wir uns im Jemen mit westlichen und arabischen Schriftstellern, um über literarische Themen zu sprechen, unter anderem über Erotik. Für die Araber war das ungewohnt, aber am Ende gelang die Diskussion."
Die von Grass (und anderen westlichen Schriftstellern) mit islamischen Schriftstellern in einem islamischen Land geführte Diskussion über Erotik soll also offenbar beweisen, dass
1) man auch mit dem Muslimen über alles reden kann und
2) dass die Muslime tolerant sind, wenn wir selbst ihnen Toleranz entgegen bringen.
Die von ihm geschilderte Begegnung ist allerdings nicht geeignet, den Beweis zu erbringen, dass man (sogar) mit muslimischen (zumindest) Intellektuellen über alles reden kann. Über Erotik zu sprechen, mag im Islam (heutzutage) verpönt sein. Ein religiöses Tabu brechen derartige Diskussionen aber wohl kaum. Erotik ist (Grass mag das freilich anders sehen) nicht "alles". Hat er mal versucht, mit seinen moslemischen Schriftstellerkollegen [waren eigentlich auch Kolleginnen dabei???] kritisch über die Stellung der Religion im allgemeinen und des Islam im besonderen, oder über die Stellung der islamischen Geistlichkeit in jenen Ländern, zu sprechen? Wohl kaum.
Hat er wenigstens über Frauenemanzipation gesprochen? Oder nur über Erotik?


Im Kern bin ich letztlich besonders deshalb über die Äußerungen von Günter Grass enttäuscht, weil hier ein Mensch, der uns Wahlempfehlungen gibt und sich gelegentlich gar als eine Art praeceptor germaniae geriert, zu einem Thema, das die Welt bewegt, nichts als rhetorische Versatzstücke, teilweise sogar unpassende, zusammenpusselt. Che peccato!


* Näheres über Zollschranken und "asymmetrische Integration in den Welthandel" [die sich übrigens bei Ressourcenknappheit durchaus auch als vorteilhaft erweisen könnte] findet sich z. B. in dem sehr abgewogenen Aufsatz "Menschliche Entwicklung in Zeiten der Globalisierung
Sieben Fragen und unvollständige Antworten" von einem gewissen Klaus Heidel, Werkstatt Ökonomie e.V., Oktober 2005

Einen Artikel (ich habe ihn noch nicht gelesen) über die Gründe für das relative Zurückfallen der arabischen Welt brachte "Die Welt" vom 12.02.06 u. d. T. "Gefangene der Vergangenheit". Ich teste hier mal, wie "Trackbacks" (hoffentlich) funktionieren [tun sie nicht]:
http://www.wams.de/z/plog/blog.php/apocalypso/hauptwiderspruch/2006/02/16/warum_die_arabischen_laender_zurueckfallen

26.02.06 Nachfolgend Links zu einigen anderen Blog-Meinungsäußerungen zum Interview von "El Pais" mit Günter Grass:

Weblog "politically incorrect" (PI) (Motto "contra torrentem" - gegen den Strom - nun ja, ich habe allerdings das Gefühl, dass auch die in irgendeinem Strom mitschwimmen ...) von Stefan Herre u. a.: "Grass: 'Zensieren!' Grass zensieren?"

Lizas Welt (bei PI auf der Blogroll. Was mir gar nicht gefällt: große Klappe, aber zu feige, sich als Person zu identifizieren) titelt "Beim Barte des Propheten".

Burkhard Müller-Ulrich, einer aus der Gruppe der in der deutschen Blogosphäre vielfältig präsenten und verlinkten Broder-Brüder [pardon: zwei Schwestern sind ja auch dazwischen!], atmet auf (heureka!): "Na endlich: Grass ist groß und Mohammed ist sein Prophet".

Martin Hagen fasst die Grass-Position kurz und treffend zusammen: "Grass: 'Selbst schuld!' " und erinnert uns daran, dass "unser guter Günnie, der neuerdings anschenend vom Literaten zum Terrorismusexperten umgeschult hat" bereits mit ähnlichen Argumenten versucht hat, die Attentate von London als Reaktion der Menschen ärmerer Länder auf den reichen Westen zu verstehen. Und dass er "bei seiner Analyse geflissentlich übersieht", dass es scheinbar gut integrierte Muslime aus westlichen Ländern waren, die diese Anschläge ausgeführt haben, und dass Osama bin Laden auch nicht gerade aus einer Familie kleiner Krauter stammt. [Hier der Link zum - allerdings kostenpflichtigen - Spiegel-Artikel (oder Interview? So interessiert, dass ich Geld dafür ausgeben würde, bin ich nicht!) "Dem Terrorismus das Wasser abgraben".
Ein wenig Wein ins Wasser schüttet mir der - derzeit - letzte Kommentar zur "Ursachenforschung":
"Moin Martin Hagen, habe Ihr Blog erst über Miersch, die Achse und einige Umwege entdeckt" schreibt da ein Anonymus (Hervorhebung von mir). Also auch dieses Blog ein Achsenrad?

Stefen Niemeyer wendet sich gleichfalls gegen Grass: "Im Zweifel gegen die Freiheit, Herr Grass?"

Positive Kommentare zur Grass-Lageanalyse habe ich nicht gefunden, und allerdings auch keine Lust, die ganze Google-Liste auf solche durchzukämmen. Wenn wer welche weiß, möge sie oder er es mir sagen. Auch solche Stimmen will ich dann gern verlinken.


Als Kontrapunkt zum intellektuellen Heuhau fen von Günter Grass empfehle ich unbedingt die Lektüre der "Stellungnahme zum gegenwärtigen Konflikt um die Karikaturen, die den Propheten Muhammad abbilden" von dem deutschen moslemischen Islamwissenschaftler (und Juristen) Prof. Dr. Muhammad Kalisch.
Der Aufsatz umfasst zwar elf Seiten, aber die Zeit sollte man sich schon nehmen, wenn man wirklich an Erkenntnisgewinn interessiert ist, und nicht an schnell geprägten Schwätzermünzen.
Prof. Kalisch weiß eben, was der Literat Grass offenbar nicht weiß, nämlich dass es "kaum sinnvoll [ich ergänze: "ist"; Kalisch formuliert allerdings aus subjektiver Perspektive "scheint"], in der meist sehr knappen Zeit, die einem von den Medien zur Verfügung gestellt wird, etwas wirklich Sachdienliches zu antworten".



Textstand vom 05.03.2006. Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

Labels: , , , , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Mittwoch, 8. Februar 2006
 
Ob die Cartoonade von Aarhus .....
..... eines Tages so berühmt werden wird wie die Kanonade von Valmy?

Wird irgend jemand irgendwann über die Auseinandersetzungen um die Mohammed-Karikaturen (Propheten-Karikaturen) sagen:

"Von dort und damals ging eine neue Epoche der Weltgeschichte aus. Und ihr könnt sagen, ihr habt mitgeblögt!"?

Muss ja nicht unbedingt die Welt-Geschichte sein. Wäre schon schön, wenn dieser Kulturenkonflikt uns wenigstens einen neuen Euro-Patriotismus oder Europa-Patriotismus einhauchen und eine wirkliche politische Einigung Europas vorantreiben würde.

Wenngleich ich die fehlende Sensibilität der Aarhuser Zeitung Jyllands-Posten bei der Veröffentlichung der Zeichnungen, und anschließend der dänischen Regierung im Umgang mit der moslemischen Kritik daran kritisiere, glaube ich nicht, dass dies der letzte derartige Konflikt sein wird.
Das kulturell-politische Fingerhakeln wird weitergehen, und ein innerlich und äußerlich starkes Europa wird sicherlich bessere Chancen haben als ein Haufen schwachbrüstiger bis halbstarker Individualisten.

Aber da spanne ich meine Erwartungen wohl zu hoch. Die Bloggosphäre tobt sich in lustigen bis bösen anti-islamischen Karikaturen aus, der Schwelbrand wird sich weiterfressen, aber politisch ist Europa lernunfähig.

Wir wohnen wohl leider auf dem Alzheimer-Kontinent.


Nachtrag vom 22.02.06: Die Amerikanerin (?) Lydia Moland legt uns in einem Handelsblatt-Essay vom 13.02.2005 u. d. T. "Patrioten für Europa" unseren Kontinent herzlich ans Herz. Schlimm genug, dass uns andere daran erinnern müssen. `
Bevor wir uns nochmal erinnern lassen, sollten wir es vielleicht selbst versuchen mit Europapatriotismus?


Textstand vom 22.02.2006
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

Labels: , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Dienstag, 7. Februar 2006
 
MEINUNGSFREIHEIT IST KÄSE .....


..... will sagen: Die Redefreiheit hat auch im Westen Löcher wie ein Schweizer Käse.
Durch die Kontroverse um die Mohammed-Karikaturen (Propheten-Karikaturen, Propheten-Zeichnungen) in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten vom 30.09.2005 werden wir in einer Reihe von Debattenbeiträgen (dazu einige Links am Schluss) daran erinnert.


WITZ KOMM RAUS, DU BIST UMZINGELT: Vom Strafgesetzbuch!

Hier eine Auswahl (ohne Garantie für Vollständigkeit):
(unter http://dejure.org/gesetze/StGB findet man nicht nur die §§, sondern auch exemplarische Rechtsprechung dazu)


§ 86
Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen
(1) Wer Propagandamittel
      1.     einer vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärten Partei oder einer Partei oder Vereinigung, von der unanfechtbar festgestellt ist, dass sie Ersatzorganisation einer solchen Partei ist,
      2.     einer Vereinigung, die unanfechtbar verboten ist, weil sie sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder gegen den Gedanken der Völkerverständigung richtet, oder von der unanfechtbar festgestellt ist, dass sie Ersatzorganisation einer solchen verbotenen Vereinigung ist,
      3.     einer Regierung, Vereinigung oder Einrichtung außerhalb des räumlichen Geltungsbereichs dieses Gesetzes, die für die Zwecke einer der in den Nummern 1 und 2 bezeichneten Parteien oder Vereinigungen tätig ist, oder
      4.     Propagandamittel, die nach ihrem Inhalt dazu bestimmt sind, Bestrebungen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation fortzusetzen,
im Inland verbreitet oder zur Verbreitung im Inland oder Ausland herstellt, vorrätig hält, einführt oder ausführt oder in Datenspeichern öffentlich zugänglich macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Propagandamittel im Sinne des Absatzes 1 sind nur solche Schriften (§ 11 Abs. 3), deren Inhalt gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Gedanken der Völkerverständigung gerichtet ist.
(3) Absatz 1 gilt nicht, wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.
(4) Ist die Schuld gering, so kann das Gericht von einer Bestrafung nach dieser Vorschrift absehen.

§ 90
Verunglimpfung des Bundespräsidenten
(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Bundespräsidenten verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) In minder schweren Fällen kann das Gericht die Strafe nach seinem Ermessen mildern (§ 49 Abs. 2), wenn nicht die Voraussetzungen des § 188 erfüllt sind.
(3) Die Strafe ist Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, wenn die Tat eine Verleumdung (§ 187) ist oder wenn der Täter sich durch die Tat absichtlich für Bestrebungen gegen den Bestand der Bundesrepublik Deutschland oder gegen Verfassungsgrundsätze einsetzt.
(4) Die Tat wird nur mit Ermächtigung des Bundespräsidenten verfolgt

§ 90a
Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole
(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3)
      1.     die Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder oder ihre verfassungsmäßige Ordnung beschimpft oder böswillig verächtlich macht oder
      2.     die Farben, die Flagge, das Wappen oder die Hymne der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder verunglimpft,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer eine öffentlich gezeigte Flagge der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder oder ein von einer Behörde öffentlich angebrachtes Hoheitszeichen der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder entfernt, zerstört, beschädigt, unbrauchbar oder unkenntlich macht oder beschimpfenden Unfug daran verübt. Der Versuch ist strafbar.
(3) Die Strafe ist Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, wenn der Täter sich durch die Tat absichtlich für Bestrebungen gegen den Bestand der Bundesrepublik Deutschland oder gegen Verfassungsgrundsätze einsetzt.

§ 90b
Verfassungsfeindliche Verunglimpfung von Verfassungsorganen
(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) ein Gesetzgebungsorgan, die Regierung oder das Verfassungsgericht des Bundes oder eines Landes oder eines ihrer Mitglieder in dieser Eigenschaft in einer das Ansehen des Staates gefährdenden Weise verunglimpft und sich dadurch absichtlich für Bestrebungen gegen den Bestand der Bundesrepublik Deutschland oder gegen Verfassungsgrundsätze einsetzt, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Die Tat wird nur mit Ermächtigung des betroffenen Verfassungsorgans oder Mitglieds verfolgt.

§ 103
Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten
(1) Wer ein ausländisches Staatsoberhaupt oder wer mit Beziehung auf ihre Stellung ein Mitglied einer ausländischen Regierung, das sich in amtlicher Eigenschaft im Inland aufhält, oder einen im Bundesgebiet beglaubigten Leiter einer ausländischen diplomatischen Vertretung beleidigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe, im Falle der verleumderischen Beleidigung mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Ist die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen, so ist § 200 anzuwenden. Den Antrag auf Bekanntgabe der Verurteilung kann auch der Staatsanwalt stellen.

§ 104
Verletzung von Flaggen und Hoheitszeichen ausländischer Staaten
(1) Wer eine auf Grund von Rechtsvorschriften oder nach anerkanntem Brauch öffentlich gezeigte Flagge eines ausländischen Staates oder wer ein Hoheitszeichen eines solchen Staates, das von einer anerkannten Vertretung dieses Staates öffentlich angebracht worden ist, entfernt, zerstört, beschädigt oder unkenntlich macht oder wer beschimpfenden Unfug daran verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.

§ 130
Volksverhetzung
(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
      1.     zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder
      2.     die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,
wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
      1.     Schriften (§ 11 Abs. 3), die zum Hass gegen Teile der Bevölkerung oder gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, dass Teile der Bevölkerung oder eine vorbezeichnete Gruppe beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,
            a)     verbreitet,
            b)     öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,
            c)     einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überlässt oder zugänglich macht oder
            d)     herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Buchstaben a bis c zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, oder
      2.     eine Darbietung des in Nummer 1 bezeichneten Inhalts durch Rundfunk, Medien- oder Teledienste verbreitet.
(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.
(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.
(5) Absatz 2 gilt auch für Schriften (§ 11 Abs. 3) des in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalts.
(6) In den Fällen des Absatzes 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, und in den Fällen der Absätze 3 und 4 gilt § 86 Abs. 3 entsprechend.

§ 131
Gewaltdarstellung
(1) Wer Schriften (§ 11 Abs. 3), die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in einer Art schildern, die eine Verherrlichung oder Verharmlosung solcher Gewalttätigkeiten ausdrückt oder die das Grausame oder Unmenschliche des Vorgangs in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellt,
      1.     verbreitet,
      2.     öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,
      3.     einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überlässt oder zugänglich macht oder
      4.     herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Nummern 1 bis 3 zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer eine Darbietung des in Absatz 1 bezeichneten Inhalts durch Rundfunk, Medien- oder Teledienste verbreitet.
(3) Die Absätze 1 und 2 gelten nicht, wenn die Handlung der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dient.
(4) Absatz 1 Nr. 3 ist nicht anzuwenden, wenn der zur Sorge für die Person Berechtigte handelt; dies gilt nicht, wenn der Sorgeberechtigte durch das Anbieten, Überlassen oder Zugänglichmachen seine Erziehungspflicht gröblich verletzt.

Im 11. Abschnitt kommen wir zum harten Kern der Freiheitslöcher: Straftaten, welche sich auf Religion und Weltanschauung beziehen (§§ 166 - 168)

§ 166
Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen
(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.
§ 167
Störung der Religionsausübung
(1) Wer
      1.     den Gottesdienst oder eine gottesdienstliche Handlung einer im Inland bestehenden Kirche oder anderen Religionsgesellschaft absichtlich und in grober Weise stört oder
      2.     an einem Ort, der dem Gottesdienst einer solchen Religionsgesellschaft gewidmet ist, beschimpfenden Unfug verübt,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Dem Gottesdienst stehen entsprechende Feiern einer im Inland bestehenden Weltanschauungsvereinigung gleich.

14. Abschnitt. Beleidigung (§§ 185 - 200)

§ 185
Beleidigung
Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
§ 186
Üble Nachrede
Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
§ 188
Üble Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens
(1) Wird gegen eine im politischen Leben des Volkes stehende Person öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine üble Nachrede (§ 186) aus Beweggründen begangen, die mit der Stellung des Beleidigten im öffentlichen Leben zusammenhängen, und ist die Tat geeignet, sein öffentliches Wirken erheblich zu erschweren, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.
(2) Eine Verleumdung (§ 187) wird unter den gleichen Voraussetzungen mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
§ 189
Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener
Wer das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
§ 192
Beleidigung trotz Wahrheitsbeweises
Der Beweis der Wahrheit der behaupteten oder verbreiteten Tatsache schließt die Bestrafung nach § 185 nicht aus, wenn das Vorhandensein einer Beleidigung aus der Form der Behauptung oder Verbreitung oder aus den Umständen, unter welchen sie geschah, hervorgeht.

Für alle diese Löcher im geronnenen Freiheitslab gibt es natürlich gute Gründe.
Fragt sich nur, ob die Muslime nicht subjektiv ähnlich gute Gründe haben, für ihren Propheten denjenigen Schutz vor Meinungsfreiheit zu fordern, den sie ihrerseits für angemessen halten.

Vor allem aber sollten wir die Debatte als Anstoß nehmen, uns zu fragen, ob wir selbst nicht unsere Meinungsfreiheit in dem einen oder anderen Punkt schon etwas exzessiv eingeschränkt haben.


Nachfolgend einige Links zum Themenbereich "Meinungsfreiheit und Religion":

Wikipedia deutsch:
Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen; Blasphemie; Meinungsfreiheit; Satire, Volksverhetzung;

Wikipedia englisch:
Freedom of speech versus blasphemy

Sonstige:

Handelsblatt vom 06.02.06 "Gotteslästerung im Westen. Bei Jesus hört der Spaß auf "

"lawchannel.de" und N24.de: Wolfgang Janisch vom 03.02.06 "Was darf Satire? Angriffe gegen Religionen vor deutschen Gerichten."

Paul Belien, Herausgeber des "Brussels Journal" vom 3.2.06 in "Torontofreepress": "Muslim Radical Defends Freedom of Speech, Deplores Europe’s Hypocrisy". (Eine Stimme offenbar vom rechten politischen Rand, mit der ich mich nicht identifiziere.)

Ein dänischer Blog "freedomofspeech", bestehend seit Februar 2006 (also offenbar aus aktuellem Anlass eingerichtet), bietet Meinungen und Links pro und kontra (die eigene Position ist offenbar mehr für eine weit verstandene Meinungsfreiheit).

Les Blough, Editor, Axis of Logic, 02.02.06: "Media Responsibilities: Reasons We Publish What We Publish"

RACHARD ITANI vom 02.02.06: "Cartoons and Hypocrisy. Danes Finally Apologize to Muslims (But for the Wrong Reasons)"

Stuart Pethick, 02.02.06: "Why ‘freedom of expression’ defence is questionable in the Muslim dispute with a Danish publication."

Islam and the UN vs. Denmark and Free Speech
und
Mac Johnson, 03.02.06: "Global Lynch Mob Attacks Free Speech"

sind offenbar konservative Stimmen, die mich nicht überzeugen.

Insgesamt erscheint mir die Position derjenigen, die an diesem Fall die Meinungsfreiheit verteidigen oder ein Exempel statuieren wollen, doch recht problematisch.


Google-Suche "Denmark and free speech" (hier als Google-News Suche)


Textstand vom 07.02.2006
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

Labels: , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Montag, 6. Februar 2006
 
KULTURKREISPATRIOTISMUS
"We Are All Danes Now": Diese Parole konnte man im Kulturenkonflikt um die Propheten-Karikaturen (Mohammed-Karikaturen) der dänischen Tageszeitung "Jyllands-Posten" (hier Wikipedia dt.) lesen, zuerst wohl bei "http://www.brusselsjournal.com/".
Das scheint, wenn ich mir den Artikel des Herausgebers Paul Belien auf der Webseite http://www.torontofreepress.com/2006/brussels020306.htm ansehe, eine ziemlich rechtslastige belgische Publikation zu sein. Immerhin, die Google-Suche für den Slogan erbringt per 06.02.06 125 Treffer.

Ich will den Slogan nicht bewerten, auch nicht zur Solidarisierung aufrufen, weil ich mir nicht sicher bin, ob hier Meinungsfreiheit und Respekt vor Andersdenkenden (-gläubigen) wirklich in angemessener Weise gegeneinander abgewogen wurden.

Grundsätzlich steckt aber hinter einem solchen Empfinden – soweit es echt ist - etwas dahinter, was ich nicht von vornherein als negativ ansehen kann. Und das versuche ich durch den Neubegriff "Kulturkreispatriotismus" zu erfassen.
Was den Neologismus angeht, vermute ich zumindest, dass es sich um einen solchen handelt. Jedenfalls ergibt die Google-Suche keinen Treffer.
"Kulturpatriotismus " (153 Tr.) scheint nationsbezogen gemeint zu sein; und "Zivilisationspatriotismus" (19 Tr.) ist schon etwas näher an dem, was ich bezeichnen will (hier ein evtl. interessanter Artikel von einem gewissen Gerd Held), versteht aber unter "Zivilisation" mehr die Moderne, während ich die "abendländische Zivilisation", die "westliche Kultur" im Sinn habe, unabhängig von ihrer (in der Realität natürlich nicht trennbaren) Modernisierungsfunktion für die Menschheit. (*)

Ich werfe also den Begriff "Kulturkreispatriotismus" in den Ring und überlasse es meinen Lesern, was sie daraus machen wollen. Schreibt doch mal selber was – z. B. als Kommentar zu diesem Eintrag :-)!

* Nachtrag vom 07.02.06: Der Aufsatz von Held ist definitiv sehr interessant. Held trennt quasi die Zivilisation von der Kultur ab und meint im Kern, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen auf dem gemeinsamen Boden der modernen Zivilisation zusammenleben können müssten.
Sollte man meinen; nur scheinen nicht alle Kulturen einen gleich fruchtbaren Nährboden für die Zivilisation abzugeben. Während die Ostasiaten - nach einer Periode der Verweigerung in Japan und der Irrungen und Wirrungen in China sich anschicken, den Westen ein- oder gar zu überholen, fällt das den islamischen Staaten anscheinend schwerer.
Trotzdem: zur Lektüre dringend empfohlen!


Nachtrag 11.01.08: Zum Thema "Patriotismus" (bzw. genauer zu den drei konzentrischen Patriotenkreisen, in welchen wir uns bewegen sollten -Kulturkreispatriotismus, Europatriotismus und deutscher Patriotismus-) habe ich auch im Blott "Das Ende des Wei(s)sen Mannes. Polit-Plädoyer ohne Leidenschaft" (Eine -sehr lange - Rezension des Buches "Das Ende des Weißen Mannes" von Manfred Pohl) Überlegungen angestellt.



Textstand vom 11.01.2008
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

Labels: , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]

Sonntag, 5. Februar 2006
 
PARALIPOMENA ZU DEN PROPHETEN-KARIKATUREN
1) LANGE LEITUNG oder BOTSCHAFTER DES GLAUBENS?

Erst jetzt kommt es mir in den Sinn, dass von 40 angefragten Karikaturisten ausgerechnet zwölf ihre Zeichnungen eingeschickt haben. Die zwölf Apostel?

Und, wenn man so will und je nach Standpunkt, ist sogar ein Judas dabei: Lars Refns Zeichnung, wo ein Schüler namens "Mohamed" den Satz (auf persisch) an eine Schultafel schreibt: "Die Redakteure von Jyllands-Posten sind eine Bande reaktionärer Provokateure" wird jedenfalls in dem Blog "Face of Muhammed" in dieser Weise gesehen ("We think Lars Refn is a coward ...").

Auf jeden Fall ist diese Zeichnung aus meiner Sicht die intellektuell anspruchsvollste, weil man sie in doppelter Weise interpretieren kann. Das Original zeigt lediglich den Text an der Tafel, keine englische und/oder dänische Übersetzung.
Der deutschsprachige Wikipedia-Eintrag "Das Gesicht Mohammeds" beschreibt die Darstellung wie folgt:
"Der Karikaturist Lars Refn brachte sogar eine versteckte Botschaft auf seiner Zeichnung unter: Die Karikatur zeigt einen südländisch aussehenden Schüler mit der Unterschrift „Mohammed Valbyskole 7A“. Er steht vor einer Tafel, auf der in Persisch geschrieben steht: „Die Redaktion von Jyllands-Posten ist eine Bande reaktionärer Provokateure“. Es ist unklar, ob sich die Redaktion der Bedeutung des Tafel-Textes bewusst war, als sie die Zeichnung abdruckte."
Diese Information ist interessant, aber unvollständig.
Aus dem englischen Eintrag u. d. T. "Jyllands-Posten Muhammad cartoons controversy" erfährt der Leser nämlich ergänzend, dass "On his shirt is written 'Fremtiden' (the future) ".

Damit lässt sich die Zeichnung sowohl als eine Aussage des Karikaturisten über die Karikaturenaktion der Zeitung verstehen, als auch als eine Aussage über eine hypothetische Zukunft, in welcher islamische Schüler in Dänemark in der Sprache ihres Heimatlandes (bzw. der Heimat ihrer Eltern usw.) unterrichtet werden, also im Sinne der "Überfremdungsthematik".

In dieser Weise muss sie zweifellos ein (dänischsprachiger) Leser verstehen, der den Sinn der Worte an der Tafel nicht kennt. Gemeint sind sie aber wohl als Kritik an der Aktion der Zeitung Jyllands-Posten.


2) SELBSTREFERENZIELL

Dies ist die Zeit, da es wichtig wäre, Antworten zu wissen auf die Frage: "Was ist Identität?" Wie sie z. B. in meinem Eintrag vom 14.11.05 u. d. T. "UNSYSTEMATISCHE FRAGEN UND NOTIZEN ZUR BILDUNG (UND ZUM ZERFALL) VON GESELLSCHAFT(EN) oder KANN MAN SOZIALE DYNAMIK(EN) ABSTRAKT BESCHREIBEN UND VERSTEHEN?" anhand konkreter historischer Beispiele aufgeworfen wird.


3) VOM WERT DER KLOWÄNDE

Jean-Remy von Matt hat die Weblogs als "Die Klowände des Internets" geschmäht (Jens Scholz, Blog-Eintrag vom 19.06.06; die URL http://www.jensscholz.com/2006_01_01_archive.htm. wird als "Direktlink" unter dem Text genannt – aus meiner Sicht eine etwas eigenartige Vorstellung von "direkt".)

Jedenfalls: in einer weltweiten Kommunikationserregung wie im vorliegenden Falle zeigen sie ihren Wert. Bei Technorati und Google-Blogsuche werden ihre Inhalt in kürzester Zeit erfasst und sind aufrufbar.

Teils werden Meinungen geäußert, was einen interessanten Überblick einerseits und andererseits wertvolle Anregungen und Ergänzungen für die Entwicklung einer eigenen Perspektive gibt.

Teils werden Meldungen und Meinungsäußerungen in klassischen Medien verlinkt; mal stärker kommentierend oder referierend einzelne Meldungen und Meinungen, teils listenmäßige Linksammlungen. War für mich äußerst hilfreich, um mir einen Einblick ("Überblick" wäre gelogen) in die Debatte zu verschaffen und vor allem wichtige Informationen zu finden.

Und dann gibt es da noch die Blogs, wo man Informationen findet, die es woanders nicht gibt. In Nullkommanichts erstellt irgend jemand einen Blog "Face of Muhammed", wo man nicht nur die Karikaturen sehen kann – was nun einmal nötig ist, wenn man mitreden will -, sondern auch Links zu einer Blogliste findet, zu einem "Mohamed Image Archive" mit historischen Darstellungen des Propheten (auch aus moslemischen Ländern)und zu einer Webseite, die zur Unterstützung Dänemarks auffordert.


4) GOOGLE, GOOGLE – WARUM HAST DU UNS VERLASSEN?

In "Mikesweb" äußert der Blog-Autor den Verdacht, dass die Google-Bildsuche die Mohammed-Karikaturen zensiert hat. Tatsächlich scheint das zuzutreffen: vgl. Suchbegriffe "Propheten-Karikaturen", "Mohammed-Karikaturen", "Mohammed-Zeichnungen", "Muhammad caricatures", "Muhammad-drawings" oder auch "Muhammad cartoons" (unter diesem Stichwort wird immerhin eine, und sogar die fragwürdigste, der Karikaturen gezeigt, nämlich der Prophet mit dem 'Bomben-Turban').
Eine Informationszensur durch Google mag in China unvermeidlich sein. Auch bei uns will ich nicht von vornherein ausschließen, dass es in Einzelfällen gewichtige Gründe für eine solche geben könnte. Im vorliegenden Zusammenhang ist sie allerdings unerträglich und sollte uns Veranlassung geben, heftig zu protestieren. Oder sollte nur die zeitverzögerte Indexierung der Grund sein, dass bislang die anderen Karikaturen nicht zu sehen sind?


5) WOW, WOW, WIKI!

Die Wikipedia-Autoren haben blitzartig und mit (speziell in der englischsprachigen Version) außerordentlich umfassenden Informationen reagiert (engl.; dt.). Hut ab vor Leuten (und, nicht zu vergessen: Dank an diese!), die solche Dokumentationen in kürzester Zeit zusammenstellen können!

Braucht es da noch meiner Meinungsäußerung? Vielleicht zumindest zu einem bei uns im Westen meist arg unterbelichteten Punkt doch noch, nämlich zu:


6) DIE GROSSMUTTER IN ONKEL TOMS HÜTTE

Ehrlich gesagt, verstehe ich nicht alle der 12 Karikaturen aus der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten".

Besonders verstehe ich nicht die genaue Aussage jener Zeichnung, auf welcher der Prophet im Vordergrund mit einem Krummsäbel herumfuchtelt und im Hintergrund zwei verschleierte Frauen verängstigt dreinschauen.
Soll das heißen: "Die unterdrückten Moslemfrauen sind gegen die Radikalen"?

Wenn wir uns im Westen da mal nicht täuschen!

Männer machen (meist) die Kriege. Aber Frauen stehen nicht selten dahinter.
Ich erinnere mich daran, die Rezension eines Buches gelesen zu haben (Titel habe ich vergessen; vermutlich gibt es aber auch mehrere Studien zu diesem Thema) über Deutschlands Frauen im Dritten Reich. Fazit darin: "Fanatischer als die Männer!"

Und wer die isländische Saga vom Weisen Njal, oder Brennur-Njal, gelesen hat, weiß, welche verhängnisvolle Rolle dessen Frau Bergthora darin spielt.

Ich erinnere mich auch an Fernsehbilder, auf denen Frauen nicht nur um ihre toten Söhne weinten, sondern rachedürstend die Fäuste schüttelten.

Es ist natürlich lediglich ein "anecdotal evidence" für ansteigenden Islamismus, aber ich hatte in den letzten Jahren den Eindruck, dass man mehr (moslemische) Frauen mit Kopftüchern auf Deutschlands Straßen sieht. Dass diese Frauen (von Einzelfällen abgesehen) von ihren Männern oder Vätern zum Kopftuchtragen gezwungen worden wären, glaube ich nicht.
Dass es eine Demonstration ist, glaube ich schon. Fragt sich, ob (nur) Demonstration für den Islam, oder (auch) gegen – ich will nicht sagen "die Christen", sondern – und das fände ich noch schlimmer – gegen die säkulare Gesellschaft.
Ich bezweifle, dass sich die Masse der islamischen Frauen so unterdrückt fühlt, wie wir uns das vorstellen, oder wie wir glauben (oder gar fordern), dass sie sich fühlen müssten oder sollten.

Nevertheless: Männer machen (meistenteils noch heute) die Geschichte (denjenigen Teil, der, früher zumindest, die Geschichtsbücher beherrschte: die "Haupt- und Staatsaktionen").
Unsere Identität bestimmen, und machen in diesem Sinne "unsere Kultur", aber wohl eher die Frauen.
Treten Sie in den Zeugenstand, Frau Bozena Nemcova (Tschechische Patriotin des 19. Jh. und Verfasserin des Romans "Die Großmutter") und Frau Harriet Elizabeth Beecher Stowe!

Nachtrag vom 27.04.07: Dass Frauen nicht unbedingt für Emanzipation kämpfen müssen, zeigt auch der Artikel "Weibliche Gotteskrieger im Anmarsch" von Joachim Hoelzgen im Spiegel Online vom 26.04.07. Einleitend heißt es darin:
"6500 Koranschülerinnen in schwarzen Burkas verängstigen die Bewohner der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Die Studentinnen einer großen, radikalislamischen Moschee wachen über die Sitten - und drohen sogar Selbstmordanschläge an."

Textstand vom 24.07.2007
Gesamtübersicht der Blog-Einträge auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm

Labels: , , ,


Abonnieren
Posts [Atom]


Powered by Blogger

Paperblog blogoscoop