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CANABBAIA
Mittwoch, 18. Mai 2005
 
Definitionen | Definitions

Lawn / Rasen:

In his essay "The end of false progress. Origins of materialism, and implications for our future in the post-petroleum reality" (http://www.culturechange.org/e-letter-endfalseprogress.html) Jan Lundberg (whoever that is) comes up with a striking definition of the term "lawn":
"The biological pavement known as lawns".



Imagine the billboards of suburbia plastered with a lawn-promotion-campaign:
"Your neighbour has got it - why don't you? Seedy's guaranteed biological pavement!"


In seinem Artikel "Das Ende des falschen Fortschritts. Ursprünge des Konsumismus und Auswirkungen auf unser zukünftiges Nach-Öl-Zeitalter" gibt uns ein gewisser Jan Lundberg eine bemerkenswerte Definition des Wortes "Rasen":

"Die biologische Bodenversiegelung (eigentlich: die biologische Pflasterung) namens Rasen".

Hübsche Vorstellung: alle Plakatwände in den Vorstädten mit einem wunderschönen Rasen-Photo als Werbung für Grassamen bepflastert und dem Text:
"Ihr Nachbar hat sie schon - Sie noch nicht? Seedy's garantiert biologische Bodenversiegelung!"

Einschub 06.10.07:
In ihrer Wuppertaler Dissertation (bei Prof. Bazon Brock) aus dem Jahre 2001 u. d. T. "ParTerre. Studien und Materialien zur Kulturgeschichte des gestalteten Bodens" behandelt Anna Zika auch den Rasen (in Geschichte und Gegenwart) ausführlich und kritisch (S. 101 ff.).


Was die Möglichkeit angeht, "richtigen" und "falschen" Fortschritt zu unterscheiden (oder gar "richtigen" Fortschritt zu verwirklichen), bin ich eher skeptisch. Jedoch scheinen mir die trüben Zukunftsperspektiven, die Lundberg uns ausmalt, nicht unrealistisch.

Zumindest kann es nicht schaden, wenn wir uns "höchst vorsorglich" (wie Juristen sagen würden) schon mal eine Definition des Begriffs

"Kollaps" / "Collapse"

notieren. Die finden wir bei Joseph Tainter in dessen Aufsatz "COMPLEXITY, PROBLEM SOLVING,AND SUSTAINABLE SOCIETIES" (http://dieoff.org/page134.htm):
I am rather skeptical as for our ability to differentiate between "good" and "bad" progress (much less institute "good" progress), much as I share Lundberg's skepticism as such. At any rate it ain't gonna hurt to mark down a definition of the term "collapse", like the one Joseph Tainter gives us in his essay "Complexity ...":

"Collapse is a rapid transformation to a lower degree of complexity, typically involving significantly less energy consumption"

Tentative Eigenübersetzung:
"Ein Zusammenbruch ist eine rasche Veränderung eines System zu einem Zustand geringerer Komplexität, der in der Regel mit einem deutlich verminderten Energieverbrauch einhergeht"

ursprünglich aus seinem 1988 erschienenen Buch / originally taken from his 1988 book
"The collapse of complex societies".



Und hier zum Abschluss (nur auf Deutsch) eine durchaus treffende Beschreibung der Herkunft und Verwendung von
Entwicklungshilfe,
entnommen dem Buch "Wendezeit" von Fritjof Capra, Scherz Verlag Bern usw. 1985 (Sonderausgabe), S. 246:

"Entwicklungshilfe nimmt von den armen Menschen in den reichen Ländern und gibt es den reichen Leuten in den armen Ländern".




Textstand vom 06.07.2011. Auf meiner Webseite
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Montag, 16. Mai 2005
 
Renten sichern - Wehrfriedhofsmauer zerfallen lassen!
"Nicht nur demographisch sehen wir alt aus" habe ich auf meiner Webseite "Rentenreich" (http://www.beltwild.de/rentenreich.htm, Thema Rentenfinanzierung, Kapitaldeckungs- gegen Umlageverfahren) in einem Kapitel "Die Alten und das Alte" geschrieben.

Wir schleppen, schon jetzt, eine ständig wachsende Welt des Alten mit uns herum: Denkmäler, Museen, Kunstwerke, alte Bücher usw. Die alle stehen nicht nur gelegentlich wirtschaftlichen Aktivitäten im Weg. Sie "konsumieren" auch von unserem Sozialprodukt, sitzen gewissermaßen mit uns zu Tische und essen (mit), was wir erarbeiten.
Wie hoch mögen die Kosten für die Pflege unseres "materiellen Kulturerbes" - Denkmalpflege im weitesten Sinne des Wortes - schon jetzt sein? Direkte Leistungen des Staatshaushaltes, Subventionen über Steuerermäßigungen, aber nicht zuletzt auch die Lasten, welche die staatliche Gesetzgebung den (glücklichen oder unglücklichen) Denkmalbesitzern auferlegt, wären da zu addieren. Und ständig kommen neue hinzu, während die Zahl der Arbeitenden sich verringert.

Wir werden nicht umhin können, Prioritäten zu setzen. Z. B. indem wir die Mauer des Wehrfriedhofs von Soisdorf (hoffentlich liest das hier kein Soisdorfer!) zerbröckeln lassen.

Eine Notiz in der Fuldaer Zeitung vom 14.05.05 gab den Anstoß zu diesem Eintrag: "Mauer des Wehrfriedhofs zerbröckelt. Unmut in Soisdorf".

Soisdorf gehört zur Gemeinde Eiterfeld und liegt etwa östlich der Kerngemeinde. Eiterfeld hat ca. 8.000 Einwohner, Soisdorf knapp 400 (vgl. die Gemeindewebs. http://www.eiterfeld.de/)

Was kostet die Wehrfriedhofsmauersanierung? Schlappe 325.000,- €! Haufen Geld, für 400 Einwohner. Aber das Beste ist: alle 30 bis 40 Jahre muss das Ding erneut saniert werden.

Mir ist die Wehrmauer von S. an sich s.egal. Und natürlich liebe auch ich alte Mauern, Kirchen, Burgen usw. Ich bringe diese Mauer hier nur als ein Beispiel für viele steuerzehrende Projekte, und als Mahnung, schon jetzt an die zukünftige Knappheit von Arbeitskräften und finanziellen Ressourcen zu denken.

Wenn privat jemand das Geld aufbringen möchte, um Denkmalschutz zu finanzieren, habe ich natürlich nichts dagegen. Aber als Steuerzahler können es uns schon jetzt nicht mehr leisten, und noch weniger in Zukunft, jedwedes altes Gemäuer alle 30 - 40 Jahre mit riesigem Finanzaufwand zu stabilisieren. Wir müssen Prioritäten setzen.

Und das gilt auch für andere Politikbereiche: z. B. die Verkehrspolitik. Warum bauen wir z. B. noch ständig neue Straßen, wo sich doch zukünftig ohnehin die Bevölkerung vermindern wird?


Nachtrag vom 04.07.05: Neulich im Zug die Süddeutsche Zeitung gefunden. Darin Essay "Jetzt, damals und dann. Über die Abschaffung der Gegenwart, den historischen 'Augenblick und das Ende der Projektemacherei" von Thomas Steinfeld (für Abonnenten des E-Papers der SZ ist der Artikel auch hier http://www.sueddeutsche.de/sz/2005-07-02//szamwochenende/artikel/sz_vp_szw-2005-07-02-006-3004-a.3004/ zugänglich).
Steinfeld geht es zwar mehr um die geistige (statt wie bei mir um die materielle) Dimension, in welcher die Vergangenheit in Form von Gedenktagen usw. unsere Gegenwart zu überwuchern droht. Immerhin verspürt er vielleicht ein ähnliches Unbehagen wie ich.
Zitate: "Dafür kennen wir Denkmäler in einer Menge und Artenvielfalt, von der das 19. Jahrhundert nicht einmal eine entfernte Vorstellung haben konnte: eine historische Anthologie der populären Musik auf 50 Schallplatten, ein Museum der italienischen Nudel, den 'Originalnachbau' einer Espressomaschine. ... dürfte es nie zuvor in der Geschichte, auch nicht im 19. Jahrhundert, eine Gesellschaft gegeben haben, die so sehr von der Vergangenheit geprägt war wie die unsere." Und vorher: "So entsteht eine neue Form von geistiger Determination. Es lässt sich immer weniger tun, was einem nicht durch Vergangenheit ... vorgeschrieben wird."
Stimmt, aber unsere Kultur wird nicht nur geistig in vielleicht unangemessener Weise von der Vergangenheit determiniert: auch konkret räumlich versteinert sie!


Nachtrag vom 14.01.07:
Pro memoriam, oder auch zu Nutz und Frommen eventueller Leser (die freilich kaum über die Google- oder auch Technorati-Blogsuche zu diesem Eintrag gelangen werden: in beiden Fällen ist nämlich Fehlanzeige z. B. bei "Wehrfriedhof": werfen Blog-Suchmaschinen die alten Archivbeiträge einfach aus ihren Servern raus?) hier zwei aktuelle Artikel aus der Zeit vom 11.01.2007:
"Ein Land auf Abriss. Die Republik verliert ihr kulturelles Erbe. Über 100 000 Baudenkmale sind in den letzten Jahren zerstört worden. Und die Vernichtung geht weiter" von Hanno Rauterberg. [habe ich noch nicht gelesen]
18.1.07: Habe ich nun gelesen. Mir wird Angst und bange, wenn ich lese, wie viele Denkmale verschwunden sind. Das aber nicht wegen ihres Verschwindens, sondern bei der Vorstellung, wir hätten alle diese Dinger mit unseren Steuergeldern retten müssen. Lumpige 40.000,- € hier für ein Kirchlein in einem 140-Seelen-Dorf, 300.000,- € für eine Wehrfriedhofsmauer (Letzteres fordert zwar nicht Rautenberg, aber den Soisdorfern ist ihre Mauer zweifellos ebenso lieb wie den Dittichenrodern ihre Kirche). Und sonst? In Quedlinburg stehen Häuser leer, weil dort zu wenig Menschen wohnen: erhalten müssen wir die Bauten aber trotzdem. In Weißenfels werden Barockbauten abgerissen, weil die Menschen lieber in Neubauten wohnen wollen: unverzeihliche Barbarei. Wie wär's denn mal mit Denkmal-Knästen? Häuser, die keiner mehr bewohnen will, mit Knackis mit Fußfesseln füllen? Oder wen sonst wollen die Denkmal-Anbeter in die alten Bruchbuden zwingen?
In Frankfurt werden Hochhäuser aus den 50er-Jahren abgerissen - wie schrecklich! Diese wunderschönen Bauten, gelle? Ästhetische Zierden aus der Zeit der Nierentische. Klar: auch dafür gibt's Liebhaber. Ich freilich gehöre nicht zu jenen, die jedem gesichtslosen Baukörper eine Träne nachweinen, nur weil er schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Und dann das Argument, dass uns auch im Gesundheitswesen immer vorgeschwindelt wird, wenn wieder mal wer mehr Geld aus den Patiententaschen ziehen will: Denkmalschutz rechnet sich ja! Spar dich reich, so zu sagen.

Als (partielles) Kontrastprogramm dazu:
"Gefährlicher Eifer. Über die Denkmal-Ideologie" von Jens Jessen. Recht hat er (auch wenn ich mir bei dem "spezifisch deutsch" nicht so sicher bin), wenn er z. B.
"... eine spezifisch deutsche Überdehnung des Begriffes [kritisiert], die das ästhetisch Wertvolle nach und nach durch das Kriterium des historisch Interessanten ersetzte und dieses Interessante schließlich in jedem Zeugnis einer Epoche sehen wollte. Zur gotischen Kirche kam so die neugotische Kaserne und zur neugotischen Kaserne kommen bald alle Fabrikgebäude, die in einem vergleichbar historisierenden Backsteinstil gebaut wurden. Mit anderen Worten: Neben das Schöne trat das Hässliche, wenn es nur alt genug war, und gleichzeitig rückte dieses Alte immer näher an die Gegenwart heran." [Hervorhebung von mir]

Nachtrag 25.03.07:
Übrigens gab es schon lange vor meiner Zeit Menschen, welchen das Problem des alten Klimbims in unserer (seelischen und realen) Landschaft bewusst war:
1827 bewunderte Johann Wolfgang von Goethe die Vereinigten Staaten von Amerika wie folgt:

"Den Vereinigten Staaten

Amerika, du hast es besser
Als unser Kontinent, das alte,
Hast keine verfallene Schlösser
Und keine Basalte.

Dich stört nicht im Innern,
Zu lebendiger Zeit,
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.

Benutzt die Gegenwart mit Glück!
Und wenn nun eure Kinder dichten,
Bewahre sie ein gut Geschick
Vor Ritter-, Räuber- und Gespenstergeschichten."


Allerdings holen wir langsam auf ;-).




Textstand vom 12.05.2008. Auf meiner Webseite
http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
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Künstler rächen Kaiser an der Kirche :-)
Wikipedia, Stichwort "Fürstbischof" (Hervorhebung von mir):

Ein Fürstbischof war ein Bischof im Fürstenrang. Sein Stand war der eines Reichsfürsten des Heiligen Römischen Reiches.
Diese weltliche Herrscher-Funktion von Bischöfen in Deutschland ging auf die Politik der frühmittelalterlichen deutschen Könige zurück, sich zur Eindämmung des Einflusses mächtiger Fürstenfamilien auf die von ihnen ernannten Bischöfe zu stützen. Etliche dieser Bischöfe erhielten damals königliche Rechte (Regalien) verliehen. Im Zuge der Entwicklung von Territorialfürstentümern bauten auch diese Bischöfe ihre Herrschaftsgebiete zu weltlichen Territorien aus, die als Hochstift bezeichnet wurden.

Diese Politik der Kaiser ging allerdings langfristig in die Hose. Auch die geistlichen Fürstentümer wurden später nicht mehr von Kaiser vergeben. Die Geister, welche der Kaiser rief: sie taten nicht mehr, wie sie sollten. Sie verselbständigten sich und wurden eigen-mächtig.

Das freilich war auch der Weg der Kunst: Dienerin der Kirche war sie im Mittelalter; heute ist sie selber mit einem quasi religiösem Status ausgestattet (auch in rechtlicher Hinsicht: Geistiges Eigentum, Beschränkung des Eigentumsrechts an Kunstwerken, Freiheit der Kunstausübung) . Der Fettfleck von Josef Beuys an der Decke der Kunstakademie in Düsseldorf ... .
Wie viele Menschen pilgern in Kunstmuseen und zu Kunstausstellungen, wie wenige gehen noch zu kirchlichen Veranstaltungen.

So hat die Kunst sich an die Stelle der Religion gesetzt; Künstler(innen) sind die Verkünder des Transkommerziellen.

Nachtrag 17.09.2008: Vgl. in diesem Zusammenhang auch die Glosse "Ulrich stört. Ihr Gottlosen", © DIE ZEIT, 22.03.2007 Nr. 13.
(Und damit ich mit dieser Verlinkung nicht in Verdacht gerate, ein ideologischer Abweichler vom agnostischen Tugendpfad zu sein, schnell einen außerordentlich substantiellen Lesetipp für die Nicht-Gläubigen dagegen gesetzt: "Ungläubige Demut" von Gero von Randow | © DIE ZEIT, 22.03.2007 Nr. 13.


Nachtrag 23.09.08
Irgendwie hat's DIE ZEIT in dieser Zeit mit Künstler-Kult und Kult-Künstlern. Unter dem Titel "Künstleridole. Die seltsamen Heiligen der Kunst" ist in der Ausgabe Nr. 39 vom 18.09.2008 eine gekürzte Fassung des Aufsatzes, der im Katalog zur Ausstellung »Unsterblich! Der Kult des Künstlers« von Petra Kipphoff erscheint. Einige weitere Informationen über die auf mehrere Museen in Berlin verteilte Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin kann man z. B. hier und dort nachlesen, am ausführlichsten auf der Webseite der "Staatliche Museen zu Berlin". Einen schnellen Überblick (mit 10 Bildern) gibt der Blogberlin.


Nachtrag 27.06.2010
Wenn ich mir den taz-Artikel "Nur nicht einschüchtern lassen!" (Dirk Knipphals, 02.09.06) über die Position des Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich zum Thema Kunst und Gesellschaft anschaue, dann könnte es sein, dass der in gewisser Weise ähnliche Gedanken verfolgt ("Hier ist ein Autor, der sich sehr gut auskennt in den historischen und zeitgenössischen Kunstdiskursen, der dies Wissen aber nicht dazu nutzt, sich als Musterschüler der Kultur zu präsentieren. Die so häufig anzutreffende pauschale Kunstschwärmerei ist ihm ebenso fremd wie der immer wieder aufflackernde Traum von einer einheitsstiftenden oder zumindest gegen die kalte Realität opponierenden Kunst. Ullrich plädiert in seinen theoretischen Essays dafür, den Kunstbegriff tiefer zu hängen ..."). Leider fehlt mir die Zeit, um mir die Texte auf seiner Homepage anzuschauen.





Textstand vom 27.06.2010. Auf meiner Webseite
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Soweit die Blotts Bilder enthalten, können diese durch Anklicken vergrößert werden.

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Mittwoch, 11. Mai 2005
 
False Teachers in and on our Environment?
If I were a Christian believer, I'd be truly worried. At least after having read Thomas Brooks "Seven Characteristics of false Teachers" (http://www.mountainretreatorg.net/eschatology/7char.html). Edit the text a little , and you can easily get the impression like he was describing the current debate between "Neo-Malthusians" and "Cornucopians" or "Abundance Ecologists".

My version of updating his words goes like this:


"That the Denial Lobby labors might and main, by false teachers, which are their messengers and ambassadors, to deceive, delude and forever undo the precious environment of men. They seduce them, and carry them out of the right way into by-paths and blind thickets of error and wickedness, where they are lost forever. Beware of false prophets, for they come to you in sheep's clothing, but inwardly they are ravening wolves."


THE FIRST CHARACTER

"False teachers are men-pleasers. They preach more to please the ear than to profit the heart. They say to the seers, See not; and to the prophets, 'Prophecy no unto us right things: speak to us smooth things; prophecy deceits' (Isa. 30:10). A horrible thing is committed in the land: the prophets handle holy things rather with wit and dalliance (playful come-on) then with fear and reverence. False teachers are like evil surgeons, that skin over the wound, but never heal it. False teachers are hell's greatest enrichers. Non acerba, sed blanda, Not bitter, but flattering words do all the mischief. Such smooth teachers are sweet brain-poisoners."


THE SECOND CHARACTER

"False teachers are notable in casting dirt, scorn and reproach upon the persons, names, and credits of most faithful ambassadors of Science and Reason. And the same hard measure had the Conservationists from the Scribes and Economists, who labored as for life to build their own credit upon the ruins of their reputation. And never did the devil drive a more full trade this way than he does in these days (Matt. 27:63). Oh! the dirt, the filth, the scorn that is thrown upon those for whom the immediate satisfaction of our wanton wants in today's world is not the only and primary concern!"


THE THIRD CHARACTER

"False teachers are venters of the devices and visions of their own heads and hearts. 'Then the Lord said unto me, The prophets prophesy lies in my name: I sent them not, neither have I commanded them, neither spoken unto them: they prophecy unto you a false vision and divination, and things of nought, and the deceit of their heart' (Jer. 14:14). Are there not multitudes in every nation whose visions are but golden delusions, lying vanities, brain-sick fantasies?"


THE FOURTH CHARACTER

"False teachers easily pass over the great and weighty things, and stand most upon those things that are of the least moment and concernment to the future of mankind. False teachers are nice in the lesser things of the law, and negligent in the greater. 'If any man teach otherwise, and consent not to wholesome words, even the words of science, and to the knowledge which is according to healthy reasoning, he is proud, knowing nothing, but doting about questions and strife of words, whereof cometh envy, strife, railings, evil surmisings, perverse disputings of men corrupt minds, and destitute of the truth, supposing that gain is godliness: from such withdraw thyself' (1 Tim. 6:3-5). If such teachers are not hypocrites in grain, I know nothing, Romans 2:22."


THE FIFTH CHARACTER

"False teachers cover and color their dangerous principles and soul-impostures with very fair speeches and plausible pretenses, with high notions and golden expressions. Many in these days are bewitched and deceived, because false teachers put a great deal of paint and garnish upon their most dangerous principles and blasphemies, that they may the better deceive and delude poor ignorant souls. They know sugared poison goes down sweetly; they wrap up their pernicious, soul-killing pills in gold."


THE SIXTH CHARACTER

"False teachers strive more to win over men to their opinions, than to better them in their efforts for conservation. They busy themselves most about men's heads. Their work is not to better men's hearts, and mend their lifestyles."


THE SEVENTH CHARACTER

"False teachers make merchandise of their followers. 'There shall be false teachers among you, who shall bring in damnable heresies, even denying the laws of nature as made by the Lord , and bring upon everybody swift destruction. And many shall follow their pernicious ways; by reason of whom the way of truth shall be evil spoken of. They eye your goods more than your good; and mind more the serving of themselves, than the saving of your future. That they may the better pick your purse, they will hold forth such principles as are very indulgent to the flesh. False teachers are the great worshippers of the golden calf (Jer. 6:13)."



"Now, by these characters you may know them, and so shun them, and deliver your brains out of their dangerous snares."



What gave me the inspiration to compare ancient religious wisdom with our contemporary experience in the environmental debate was, of course, Mr. Crichton's description of environmentalism as a surrogate-religion (cf. my entry of April, 26). However, as they say: "What goes around, comes around." And while some environmental movements undeniably show religious traits, his comparison does not adequately describe environmentalism as a whole.
The anti-environmental lobby, however, is fairly well characterized by Thomas Brooks' seventeenth century description of false teachers.



Textstand vom 15.04.2007. Auf meiner Webseite
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Dienstag, 10. Mai 2005
 
GiD, GiD, GiD, GiD
Der oder die Leser(in) wird es schon gemerkt haben, dass meine Gedanken langsam vom Unwichtigen (Umweltdebatte in den USA, Geschichte der Menschheitsentwicklung) zum Wichtigeren (Reise, Prag) vordringen. Nun ist es an der Zeit, Überlegungen über ein besonders drängendes Thema anzustellen: Gastlichkeit in Deutschland.

Wenn Sie daraufhin sagen "GiD, GiD, GiD", dann will ich zu Ihren Gunsten unterstellen, dass bei Ihnen, wie auch bei mir, lediglich die Freude an der Abkürzung im Spiel ist, und nicht etwa hinterhältige Onomatopoiesis.

Das Thema GiD schließt sich für mich assoziativ schon deshalb gerade jetzt an "Mokka" an, weil wir vor kurzem in einem Café in einem kleinen Neckarort die tollkühne Frage nach einer "Karte" (Getränkekarte) gewagt hatten. Immerhin hat es uns die Bedienung nicht übel genommen, und die Eierlikörtorte schmeckte gut und war mit 1,80 € auch nicht teuer (sofern mir nicht die Währungsumstellung noch immer die Preissinne verwirrt hat).
Der Kaffee schmeckte nicht schlechter als fast überall in deutschen Cafés. (Wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb die Gastronomie über Umsatzschwund klagt: McDonald, mit Jacobs in Kraft und crafty zum Nutzen des Kunden und der jeweiligen Konzernkassen vereint, weiß, was Kaffeetrinker wünschen. Die meisten Cafés in Deutschland wohl eher nicht.)
Und eine Karte - die gab es ganz einfach nicht.

So unkompliziert geht das in deutschen Gasthäusern freilich selten ab. Normaler Weise entspinnt sich bei dem Versuch, ein Getränk zu bestellen, ein angeregter Plausch mit dem/der Kellner(in):

- Was möchten Sie trinken?

-- Haben Sie eine Karte?

- Ja, was möchten Sie denn?

-- Ja, was haben Sie denn?

- Alles!

-- Ich möchte gern Heidelbeerwein.

- Sowas haben wir nicht!

-- Haben Sie eine Karte, damit ich mir etwas aussuchen kann?

- Ja, was wollen Sie denn, Sie müssen doch wissen, was Sie trinken wollen?

-- Haben Sie Apfelwein?

- Apfelwein haben wir nicht.

-- Ja, was haben Sie denn?

- Alles: Bier, Cola, Mosel, Fanta .....

usw. ad infinitum, oder auch ad nauseam.


Auf jeden Fall lasse ich mir von keinem Physiker mehr weis machen, dass die Unmöglichkeit der Existenz eines Perpetuum Mobile wissenschaftlich bewiesen wurde!


Nachtrag vom 27.11.2005:
Vgl. zum Thema "Gastlichkeit in Deutschland" auch die Eintragung "OST MINUS WEST = NULL"


Textstand vom 11.10.2006. Auf meiner Webseite
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Mokka schmeckt auch gut!
Praga, quando te aspiciam, Anfang der 70er Jahre, wurden deine Mauern von rostigen Gerüsten zusammen gehalten.

Meine Wahrnehmung der Stadt war optisch vorgeprägt. Das freilich nicht durch den Fotoband "Praga, quando te aspiciam" (Prag, als ich dich erblickte) von Karel Plicka, zu dem Jaroslav Seifert eine kurze aber beeindruckende Einleitung geschrieben hat. Die Fotos darin sind zwar schön, und die Ausstattung mit Leineneinband und Schmuckprägung ist ansprechend, doch fehlt, ich weiß nicht weshalb, die "magische" Ausstrahlung des älteren atlasformatigen Bildbandes, ebenfalls von Karel Plicka, der unter dem Titel "Prag, ein fotografisches Bilderbuch" (auf der verlinkten Webseite unten "Gallery" anklicken; qualitativ sind diese Bilder allerdings nur ein schwacher Abglanz des Buches), in zahlreichen Auflagen erschienen.

Die erste Ausgabe allerdings hieß "Prag im Lichtbild", und kam im Verlag "Volk und Reich", etwa 1940 in Prag heraus. Später, als Volk und Reich ziemlich geschrumpft waren, erschienen weitere Ausgaben im tschechischen Verlag Artia in Prag.
Diese Folgeauflagen wurden auch bei Artia, also nach dem Krieg, weiterhin in Kupfertiefdruck hergestellt, zunächst sogar immer noch mit Sepiatönung. Welcher Verlag hätte es bei uns zu jener Zeit wirtschaftlich wagen können, kostspielige Bildbände in dieser Drucktechnik zu publizieren - falls es überhaupt noch Druckereien mit der entsprechenden Ausstattung gab?
Aber irgendwann holte die ökonomische Realität auch den kulturidealistischen sozialistischen Buchdruck ein, und die Bilder waren nur noch schwarz-weiß. Das aber weiterhin in Kupfertiefdruck, wodurch ihnen viel von ihrer Plastizität erhalten blieb. Den meisten "Kunstdruck"-Glanzpapieren, zumal der 50er und 60er Jahre, ziehe ich Kupfertiefdruck-Abbildungen allemal vor.

Es waren weniger die Gebäudeaufnahmen, die mich beeindruckten, wann immer ich den Bildband in irgendeinem Antiquariat sah. Bauwerke, andere zwar, figurieren als Motive in jedweden Bildbänden von allen Städten, und, realistisch betrachtet, sind die Kirchen und Paläste in Prag so aufregend nun auch wieder nicht. Mancher Palast mag eine schöne Fassade haben, aber die ist dann in enge Gassen eingequetscht. Die Kirchen - nun ja: die Türme des Veitsdomes bilden zwar eine städtebauliche Dominante, sind aber doch nur nachgemachte Gotik. Und für die vielgepriesene Nikolauskirche auf der Kleinseite habe ich mich, soweit ich sie auf Abbildungen sehe, nie so recht erwärmen können.

Begeistert haben mich diejenigen Ansichten, die dem Touristen verschlossen bleiben: Plickas großartige Fotos der Dachlandschaften von Prag. Die Straßen sind eng, gewiß, aber einen mittelalterlichen Charakter, wie ihn das Ghetto um 1900 noch gehabt haben mag, konnte ich darin nicht entdecken. Anders die Dächer. Schon die häufig altertümlichen Ziegel - "Mönch" und "Nonne"? - entzücken; eigentlich "mittelalterlich" wirkt aber erst das Gewinkel der Dächer, eine Kleinteiligkeit, die im Grundriss der Gassen mit ihren allzu hohen Steingebäuden verloren gegangen ist, oder jedenfalls nicht mehr wahrnehmbar. Wahrscheinlich wurden die Dachformen erst im Barock in dieser Form ausgeprägt, manches vielleicht sogar erst später aus- und angebaut. Die Wirkung, auf Plickas Fotos zumindest, ist einzigartig: eine verzauberte Welt, ein Prag, so "magisch" wie in den Illustration von Hugo Steiner-Prag zu Gustaf Meyrinks Roman "Der Golem".
"Als wir zum ersten Male die Bilder Plickas sahen, fragten wir uns im Geiste vor allem, woher dieser Künstler seine Überraschungen nehme, von wo jene Melodie in den Linien der Dächer ... herüberklinge ..." schwärmt Seifert.

Doch das sind Gedanken aus der Welt der Bilder, nicht aus der unmittelbaren Wahrnehmung eines Prager Spaziergängers abgeleitet. Trotzdem hat sich Jaroslav Seifert den Nobelpreis für Literatur (1984) schon deshalb ehrlich verdient :-), weil er in seinem Vorwort zu "Praga, quando te aspiciam" kurz und prägnant genau diejenigen für jedermann wahrnehmbaren Stadt-Bilder beschrieben hat, die auch mich gefangen genommen haben. Die Natur ist es, die mit ihrer profilgebenden Hügelung und der selbst noch in Zentrumsnähe auf Moldauinseln und Gartenhängen vegetationsbedeckten Landschaft den Augen und Gedanken einen Auslass aus der Gassenenge gewährt, und dadurch den Eindruck von Prag wesentlich stärker mitbestimmt als in anderen Städten dieser Größe.

"Prag", schreibt Seifert, "beschäftigt vielleicht mehr als andere Städte, denen ein gegliedertes Terrain versagt blieb ..." [die Fotografen - und die Augen der Reisenden].
"Und sah jemals einer die Peterskirche in Rom oder Notre Dame in eine Flut zarter Obstblüten getaucht? In Prag ist uns dieser Anblick vertraut ...".
Den Sommer lässt er, etwas konventionell, "aus dem frischen Grün der Hänge und Gärten einen Kranz" winden.
Um den Zauber der Nacht zu schildern, greift er ganz (ein wenig zu?) tief in die Saiten der poetischen Leier: "Wenn dann jemand ... goldene, dann zartrosa, dann rötliche und schließlich glutrote Lichter anzündet, ist es schon vorgekommen, dass selbst die Liebespaare vergaßen, sich zu küssen". Eine solche Behauptung weckt allerdings medizinische Bedenken bei mir: Alzheimer schon in jungen Jahren?

Das einzige jedenfalls, was mich daran gehindert hat, meine Frau unter Prager Laternen zu küssen, war die Abfahrt unseres Reisebusses bereits in früher Abendstunde. Erst Ende der 80er Jahre habe ich Prag mit ihr besucht (auf den früheren Besuchen war ich Reiseleiter gewesen), und leider nur für einen Tag. Es war eine echte "Schlauchtour": abends aus Frankfurt ab; im Bus, welchen die roten Philanthropen an der Friedensgrenze zu den bösen Kapitalisten stundenlang auf die Schlagbaumerhebung warten ließen; schlafen konnten wir natürlich nicht. Nach der Ankunft einen halben Tag Stadttour; ab Mittag freie Zeit. Essen in einem volkstümlichen Gasthaus auf der Kleinseite (heute vermutlich irgend ein "Chez Dingsbums"); Spaziergang auf der Insel Kampa: Oase, Erholung im Großstadttrubel. Hübsche Nymphen lustwandelten auf der Insel der Liebenden: auch im Sozialismus war halt nicht jedes Gewerbe verstaatlicht.

Oben auf der Burg haben wir einen Kaffee gerade noch ergattert in der Goldenen Gasse; dann war Feierabend, so gegen 16.00 h oder 17.00 h. Das dürfte sich geändert haben. Und der Satz "Mokka schmeckt auch gut", der ist heute wohl auch ausgestorben.

Ob wir ihn überhaupt gehört haben, irgendwo in der Stadt an einem Eisverkaufsstand? Tschechisch konnten wir nicht, aber die Schilder für "Vanilleeis" und "Schokoladeneis" waren verständlich. Nur war keines von beiden vorrätig, und den entsprechenden Hinweis des Verkäufers, auf Tschechisch, haben wir uns mit eben diesem Satz übersetzt: "Mokka schmeckt auch gut". Mokkaeis jedenfalls war es, was wir dann gegessen haben. Ob es geschmeckt hat? Weiß ich nicht mehr; diese Worte aber sind seitdem fester Bestandteil unseres verbalen Mikrokosmos geblieben.

Und schön war die Stadt trotz allem. Ob wir jetzt noch einmal hinfahren sollten? Bestimmt geht bei McDonalds das Vanilleeis nicht aus, und wenn doch, wird man uns das Mokkaeis auf englisch oder deutsch anpreisen. Trotzdem oder deswegen: vielleicht wäre eine Wiederbegegnung mit dem neuen Prag ein Erlebnis wie "Lotte in Weimar". Oder, parallelenpräziser, wie ein gedachter Goethe bei Lotte in Hannover.

Vielleicht ist es klüger, wenn ich mich auf Bildbandbesuche beschränke:

"Praha objektivem mistru" (Prag im Objektiv der Meister) u. a. mit suggestiven Naturfotos von Josef Sudek (dessen "Prague panoramique" ich mir sicherlich kaufen werde - falls ich im Lotto den Jackpott knacke).

Erich Einhorn hat dem "Prager Alltag" (1958) des real existierenden Sozialismus (und der real existierenden Umweltverschmutzung) eine erstaunliche Poesie abgewonnen.

Noch einmal Plicka, ohne Prag im Titel, aber mit einigen Prager Naturlandschaften im Tafelteil: "Vltava", die Moldau. Für Prag dort z. B. Aufnahmen von und auf der Insel Kampa, und das Bachbett der "Wilden Sarka". Naturschutzgebiet ist es, und trotzdem in beinahe keinem Reiseführer erwähnt. Auch der Baedeker ist halt nicht mehr das, was er einst war: wie soll man mit einem Reiseführer eine Invasion planen, der nicht einmal strategisch wichtige Bachbetten verzeichnet? (Also selbst autopsieren, falls wir irgendwann noch einmal in die Stadt kommen sollten!)

Nostalgisch: Ladislav Sitenskys "Praha mého mládí" (das Prag meiner Jugend), vielfältig stimmungsvolle Fotos von Tageszeiten, Alltagsleben, und auch seine Linse bannt meisterhaft die spitzwegische Winkelästhetik der Prager Dachlandschaften.

Am Ende aber zieht es mich immer wieder in den Zauber der Prager Nächte von anno Gaslaterne.
Angeblich soll es nur eine einzige Prager Nacht gewesen sein, in der Ferdinand Bucina die 81 Stimmungen seines "Prager Notturno" eingefangen hat, "in dem eine einzige Nacht und viele Gaslampen das Antlitz der Stadt verwandeln". Weihnachtskartig schön wärmen einige winterliche Straßenlaternenszenen das Herz des Betrachters. Doch ist die reale Welt dort draußen zweifellos kalt; besser, wir blättern uns in der warmen Stube durch die Perspektiven des Photographen.

Ob es heute noch Gaslaternen gibt, in Prag?
(Nachtrag 15.3.07: "Ja, mittlerweile gibt es sie wieder". Und sie vermehren sich sogar.)


Nachtrag vom 05.03.2007:
Jedenfalls regt Prag noch immer zu eindrucksvollen Fotografien an: hier die Übersichtsseite mit zahlreichen Aufnahmen verschiedener Fotografen (von unterschiedlicher Qualität).


Nachtrag vom 12.10.07:
Bei dem Versuch, einen (wunderschönen) Bildband über Iznik-Keramik noch irgendwo in meine überquellenden Bücherschrankwand hinein zu quetschen, kam ein alter Ordner (pfui, staubig!) ans Licht, und darin mein Antrag (an das Reisebüro) auf Prag-Visa für meine Frau und mich. Die Fahrt dauerte vom 17.-19.08.1984 (war also nicht "Ende", wie ich oben schrieb, sondern Mitte der 80er Jahre). -3- Tage: das hört sich gut an, aber in Wirklichkeit war es, wie oben beschrieben, lediglich eine Tagestour - mit einer Nachtfahrt hin und einer Nachfahrt zurück.



Textstand vom 01.05.2009.
Auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.

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Montag, 9. Mai 2005
 
Der größte Fehler in der Menschheitsgeschichte?
Unter diesem Titel, auf Englisch natürlich (The Worst Mistake in the History of the Human Race) hat der Biologe, Physiologe, Geograph und Polyhistor Jared Diamond (Wikipedia-Einträge: dt. = http://de.wikipedia.org/wiki/Jared_Diamond bzw. engl. = http://en.wikipedia.org/wiki/Jared_Diamond) einen Aufsatz verfasst (http://www.awok.org/Essays/DiamondWorstMistake).

Das zwar schon anno 1987, aber für mich und mein Weltbild über die Menschheitsentwicklung sind die darin enthaltenen Informationen (vorausgesetzt, sie treffen zu) doch recht neuartig. Lassen wir seine Meinungsäußerung betr. Fehlentwicklung der Menschheitsgeschichte ("Mistake") mal beiseite, dann ist es für den Normalbürger wohl recht überraschend zu lesen, dass das Leben der Menschen in den Jäger- und Sammlergesellschaften (http://de.wikipedia.org/wiki/Jäger_und_Sammler) bzw. engl. Hunter-gatherers (http://en.wikipedia.org/wiki/Hunter-gatherer) durchaus angenehmer gewesen sein soll als in den Agrargesellschaften, die wir uns als Fortschritt anzusehen gewöhnt haben.

D. h. hier muss ich schon präzisieren: als Fortschritt zu einem besseren Leben. Denn ich selbst verstehe den Begriff Fortschritt in der Menschheitsgeschichte (wie in der Entwicklung des Lebens überhaupt) wertfrei als eine Entwicklung zu größerer Komplexität: des Gehirns, der Gesellschaft, der Organisation, des Wissens usw. Zwar glaube ich durchaus, dass es uns besser geht als den Menschen vor 100 oder gar 200 Jahren: wir leben länger, gleichen unsere Sehschwäche durch Brillen aus und lassen die Zähne unter Betäubung ziehen (nur gegen den Haarausfall gibt's noch nichts Vernünftiges). Nicht nur am Sonntag können die meisten von uns, wenn sie denn wollen, ein Huhn im Topf haben. Trotzdem scheint mir die Vorstellung, dass es uns ständig besser gehen wird, wenn wir uns nur mehr "in die Riemen legen" eher eine imaginierte Karotte im großen Hasenrennen des Lebens zu sein; "Fortschritt" in diesem Sinn nur gewissermaßen ein "Abfallprodukt" (oder jedenfalls nur ein Nebenprodukt) des Fort-Schreitens in einer wertfreien Entwicklungs- oder Entfaltungsdimension.
Wobei der Begriff "Entfaltung" natürlich suggeriert, dass ein solches Vorangehen in uns - oder im Leben überhaupt - schon angelegt ist - Entelechie, Teleologie. Also lassen wir es lieber bei dem, was wir historisch beobachten können, der "Entwicklung" nämlich.

Nicht, dass ich gegen den Fortschritt wäre: im Fort-Schreiten sehe ich überhaupt den einzigen Sinn - nein, das ist ein falscher Begriff, weil einen Sinn-Geber voraussetzend - das einzig erkennbare Prinzip des Seins. Aber zurück zu Diamond. Der weist darauf hin, dass die Jäger und Sammler weniger gearbeitet und mehr geschlafen haben. Sie sollen besser - vielseitiger - ernährt gewesen sein und deshalb, sowie wegen der geringeren Bevölkerungsdichte (verminderte Ansteckungsgefahr, keine Epidemien) sogar länger gelebt haben.

Eine knappe Bestätigung finde ich in dem Wikipedia-Eintrag zur Stichwort "Agrargeschichte" (http://de.wikipedia.org/wiki/Agrargeschichte), wo es u. a. heißt:
"Weil landwirtschaftliche Tätigkeiten meist mühsamer sind als das vom Menschen zuvor bevorzugte Jagen und Sammeln, liegt die Vermutung nahe, dass die erworbene Sesshaftigkeit und der Beginn der Landwirtschaft nicht freiwillig erfolgten. Wahrscheinlich dürften die Gründe in der Klimaänderung ebenso gelegen haben wie in dem Bevölkerungswachstum."
[Das Stichwort "Agriculture" in der englischsprachigen Wikipedia -http://en.wikipedia.org/wiki/Agriculture#History - führt dazu nur aus "The reasons for the earliest introduction of farming may have included climate change, but possibly also social reasons (e.g. accumulation of food surplus for competitive gift-giving)."

Diamond meint, dass "recent discoveries suggest that the adoption of agriculture, supposedly our most decisive step toward a better life, was in many ways a catastrophe from which we have never recovered. With agriculture came the gross social and sexual inequality, the disease and despotism, that curse our existence."
Und später:
"With the advent of agriculture an elite became better off, but most people became worse off"
woraus er die Forderung ableitet
"Instead of swallowing the progressivist party line that we chose agriculture because it was good for us, we must ask how we got trapped by it despite its pitfalls."

Seine Erklärung für den nach seiner Meinung nach der Lebensqualität abträglichen Schritt in der Menschheitsentwicklung ist die Bevölkerungszunahme, wodurch die sesshaft gewordenen Stämme quantitativ den Jägern und Sammlern überlegen waren und diese verdrängt haben:

"As population densities of hunter-gatherers slowly rose at the end of the ice ages, bands had to choose between feeding more mouths by taking the first steps toward agriculture, or else finding ways to limit growth. Some bands chose the former solution, unable to anticipate the evils of farming, and seduced by the transient abundance they enjoyed until population growth caught up with increased food production. Such bands outbred and then drove off or killed the bands that chose to remain hunter-gatherers, because a hundred malnourished farmers can still outfight one healthy hunter. It's not that hunter-gatherers abandoned their life style, but that those sensible enough not to abandon it were forced out of all areas except the ones farmers didn't want. "

Trotz allem werte ich die Sesshaftwerdung und die Einführung der Landwirtschaft als einen Fortschritt in der Menschheitsgeschichte; auch wenn es den Anschein hat, dass unser jüngster "Großer Sprung nach vorn" - der in die Industriegesellschaft - der letzte Sprung der Menschheit war (falls wir nicht bald anfangen, den Weltraum zu kolonisieren).
Bentham-Jünger jedenfalls bin ich schon lange nicht mehr. Das "größte Glück der größten Zahl" (greatest happiness of the greatest number) - das ist als Kulturphilosophie denn doch etwas zu dünn.


Nachtrag vom 20.11.05:
Eine gewisse Susanna Viljanen hat in ihrem Kommentar vom 09.11.05 in dem (nach flüchtiger Durchsicht auch ansonsten außerordentlich interessanten) Blog eines gewissen Jason Godeski (http://anthropik.com/2005/03/the-worst-mistake-in-the-history-of-the-human-race/#comment-2951) Diamonds Vorstellung vom (mehr oder weniger) "glücklichen Wilden" einer scharfen Kritik unterzogen und sieht starke Parallelen zwischen der Geisteshaltung der Jäger und Sammler und jener der Schizophrenen. Letztlich kann ich nicht beurteilen, welche Meinung besser fundiert ist, doch scheinen mir die Argumente von Frau Viljanen beachtenswert zu sein.


Nachtrag 25.03.07:
Auf verschlungen Klick-Pfaden stoße ich bei der Beschäftigung mit dem Buch "Das Ende des Weißen Mannes" von Manfred Pohl (das ich mittlerweile -05/2007- sehr extensiv rezensiert oder be-bloggt habe) auf den Aufsatz "Myth of the Hunter-Gatherer" von KENNETH M. AMES, Professor für Anthropologie an der Portland State University. [Bei der Wiedergabe auf der Webseite des "Mesa Community College" ("We request that any such use of these materials name Richard Effland and Mesa Community College (Maricopa Community College District) as the original source for these materials") haben sich einige Druckfehler eingeschlichen, die aber letztlich die Lesbarkeit nicht entscheidend beeinträchtigen.]
Ames führt im Detail aus, dass die Frage nach den Lebensumständen der Jäger und Sammler sehr viel differenzierter zu sehen ist, als z. B. Jared Diamond das tut:
"The discovery of complex hunter-gatherers, a kind of society and economy now virtually extinct, is one of the major archaeological advances of the last two decades. As a discovery it is not widely appreciated, but it shows us that the range of human social and economic organization was much greater in the past than we had once thought. And it forces us to rethink fundamental questions, such as why plants and animals were domesticated and why inequality developed in human society." [Hervorhebung von mir]


Nachtrag 26.06.08:
Frau Rochelle Forrester aus Neuseeland ist als (ehemalige?) Leiterin einer Pseudo-Universität ("Newlands University Ltd.") eine etwas dubiose Figur (mehr dazu in einem Nachtrag von heute zu meinem Blott "Inventions, Science and Technology in the Muslim World"). Dennoch erscheinen mir ihre Aufsätze zur Technikgeschichte usw. auf ihren beiden Webseiten recht solide Informationen zu liefern und ihre Überlegungen zum kulturellen Wandel durchaus durchdacht zu sein. Diese Aufsätze (hier hat sie noch sehr viel mehr eingestellt) kreisen um Überlegungen, auf welche Weise es zum Fortschritt in menschlichen Gesellschaften kommt ("This site deals with various matters concerning history, philosophy, quantum physics, anthropology and sociology. ... The first question concerns the causes of historical change or at least certain types of historical change. It deals with historical social and cultural change and as such involves issues in sociology and macrosociology concerning social change and in anthropology concerning the evolution of cultures"). Für den vorliegenden Zusammenhang ist ihr Aufsatz "The Discovery of Agriculture" von Belang, weil sie dort u. a. schwerwiegende Argumente gegen eine Gleichsetzung von zeitgenössischen Jäger- und Sammlerkulturen (deren Situation die Grundlage für die von u. a. auch von Diamond angenommene bessere existenzielle Situation dieser Gesellschaften im Vergleich zu Agargesellschaften darstellt) mit deren Lage von 10.000 Jahren im Zeitpunkt des Übergangs der Menschheit zu Ackerbau und Viehzucht. Zitat: "The true test of how people live is not their average or good years but how well they survive in their bad years, as there is little value in having a number of good or average years if they are followed by a single bad year that causes half the band to die of starvation. In these circumstances it seems hardly likely that studies of modern hunter-gatherers will give much idea as to how prehistoric hunter-gatherers lived."


Nachtrag 20.03.2010
Gelesen habe ich das Buch nicht, nur heute, bei Karstadt in Frankfurt, mal kurz drin geblättert: "Warum die Menschen sesshaft wurden: Das größte Rätsel unserer Geschichte". Darin erklärt (wie ich u. a. den Amazon-Kundenrezensionen entnehme) der Münchener Biologe Josef H. Reichholf, dass Alkohol oder andere Rauschmittel der Grund für die Menschen waren, sesshaft zu werden. Die These ist zweifellos originell; ihr Autor ist allerdings nicht ganz unumstritten und wenn ich den Zeit-Artikel "Alles fließt – sogar zum Guten" über sein Buch "Die falschen Propheten" lese, kann ich das gut verstehen. Auch die Amazon-Kundenrezensionen werten Reichholf sehr unterschiedlich.
Weitere Rezensionen seines hier interessierenden Buches z. B.:
"Ein geistvolles Vergnügen".
Sehr interessant dürfte der einschlägige Eintrag vom 21.12.09 im (deutschsprachigen) "Scienceblog" sein, insbesondere wegen der sehr zahlreichen und mutmaßlich sachkundigen Kommentare (von denen ich nur den ersten überflogen habe, der allerdings schon kritisch war).
Ein längerer Textauszug ist bei "Litrix" online; dort auch eine Rezension.
Ein Video mit Prof. Dr. Reichholf gibts bei "Videogold".
Auch der Österreichische Rundfunk hat das Buch besprochen.
Die FAZ titelte ihre Besprechung mit "Mobilität macht durstig".
Die Welt meint "Am Anfang war das Bier – und nicht der Hunger".
Sogar in die Hallen des Hessischen Rundfunks ist Reichholfs Ruhm gedrungen.


Nachtrag 10.03.11
Zur Sesshaftwerdung in der Steinzeit vgl. auch den heutigen Handelsblatt-Artikel "Ackern, ohne satt zu werden".


Nachtrag 24.06.2012
Vgl. auch die Artikel-Linksammlung zum Thema "Neolithische Revolution" im Spektrum der Wissenschaft.



Textstand vom 24.06.2012. Labels ergänzt 15.04.07.
Auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm
finden Sie eine Gesamtübersicht meiner Blog-Einträge.

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